Woher kommen eigentlich all diese Geschichten

…oder was passiert, wenn man einen völlig unnötigen Gedanken nicht einfach wieder wegschickt.
So...
...bevor jetzt jemand panisch nach Winnie sucht:
Nein, ihr seid nicht auf der falschen Webseite gelandet.
Heute schreibe tatsächlich einmal ich.
Gerry.
Ich darf das übrigens.
Für alle, die nicht nur diesen Blog lesen, sondern sich schon einmal etwas tiefer im WinnieVersum herumgetrieben haben:
Ich gehöre offiziell dazu!
Jawohl.
Ich bin sogar eine ziemliche Rarität.
Denn neben der Schnürpelfee bin ich meines Wissens das einzige offizielle Nicht-Schaf in diesem ganzen Universum.
Gut...
...die Schnürpelfee hat Flügel, rote Zöpfe und fliegt gelegentlich in Brombeersträucher.
Ich sitze dagegen meistens vor einem Computer.
Jeder hat eben seine besonderen Fähigkeiten.
Warum ich mich heute höchstpersönlich hier einmische, hat allerdings einen Grund.
Ich werde nämlich hin und wieder gefragt, wie ich eigentlich auf all die Geschichten für das WinnieVersum komme.
Und um ehrlich zu sein:
Ich hatte mir darüber nie wirklich Gedanken gemacht.
Meine Antwort war eigentlich immer dieselbe:
"Keine Ahnung. Sie sind einfach da."
Damit war die Frage für mich beantwortet.
Punkt.
Nächstes Thema.
Bis mir irgendwann etwas auffiel.
Ich sass gerade an einer Geschichte und tüftelte an irgendeiner Stelle herum, als plötzlich ein Gedanke in meinem Kopf auftauchte.
Einer, der mit dem, woran ich gerade arbeitete, überhaupt nichts zu tun hatte.
Null!
Ich weiss nicht mehr genau, was es war.
Ich weiss nur noch, dass ich kurz dachte:
"Hmmm… daraus könnte man eigentlich auch eine Geschichte machen."
Also speicherte ich den Gedanken irgendwo in meinem Oberstübchen ab, arbeitete weiter und schrieb später tatsächlich eine Geschichte daraus.
Schön.
Thema erledigt.
Dachte ich.
Einige Zeit später passierte dasselbe wieder.
Und irgendwann hatte ich einen Tag, an dem ich besonders viel Zeit hatte, am Blog zu arbeiten.
Da passierte es nicht einmal.
Nicht zweimal.
Sondern gleich mehrfach.
Am Ende des Tages hatte ich fünf Geschichten geschrieben.
Ich schaute sie mir an.
Dann musste ich lachen.
Denn die Themen dieser Geschichten lagen ungefähr so nahe beieinander wie…
…zwei Galaxien an gegenüberliegenden Enden des Universums.
Da war keine erkennbare Linie.
Kein Konzept.
Kein genial ausgeklügelter Redaktionsplan.
Nichts.
Und genau das begann mich zu beschäftigen.
Wie zum Teufel komme ich innerhalb weniger Stunden von einem Thema auf etwas völlig anderes?
Und dann passierte etwas Interessantes.
Ich machte mit meinem eigenen Denken offenbar genau das, was mein Denken ständig mit allem Möglichen macht.
Ich stellte eine Frage.
Warum?
Und dieses Mal beobachtete ich mich dabei.
Irgendwann bemerkte ich ein Muster.
Ein Gedanke taucht auf.
Oft vollkommen nebensächlich.
Manchmal interessant.
Manchmal völlig bescheuert. Okay, okay... meistens! :-)
Und meistens hat er mit dem, womit ich mich gerade beschäftige, überhaupt nichts zu tun.
Aber anstatt ihn einfach wieder wegzuschicken, passiert bei mir häufig etwas:
Ich schenke ihm kurz Aufmerksamkeit.
Nicht viel.
Manchmal nur ein paar Sekunden.
"Hmmm… warum eigentlich?"
Und genau da beginnt das "Problem".
Denn kaum habe ich diese Frage gestellt, kommt die nächste:
"Moment… wenn das so ist, weshalb dann…?"
Und darauf folgt:
"Aber dann müsste doch eigentlich…?"
Und plötzlich beginnt eine kleine Kugel zu rollen.
Am Anfang ganz langsam.
Eine Frage.
Noch eine.
Eine Verbindung.
Ein neuer Gedanke.
Die Kugel wird schneller.
Irgendwann muss ich sie gar nicht mehr anschubsen.
Sie rollt von alleine.
Und am Ende stehe ich da und denke:
"Verdammt… daraus kann man eine Geschichte machen."
Vielleicht ist genau so Winnie entstanden.
Vielleicht auch Picks.
Vielleicht deshalb fragt Winnie plötzlich, warum Spaghetti eigentlich Spaghetti heissen und nicht lange Stäbe.
Und vielleicht erklärt das auch, weshalb ich an einem einzigen Tag über Dinge schreiben kann, die miteinander ungefähr so viel gemeinsam haben wie eine Mücke, künstliche Intelligenz und ein Teller Spaghetti.
Eigentlich nämlich:
gar nichts.
Und dann kam mir noch ein anderer Gedanke.
Vielleicht habe ich gar nicht mehr Ideen als andere Menschen.
Woher sollte ich das wissen?
Vielleicht entstehen in den Köpfen anderer Menschen den ganzen Tag genauso viele kleine Fragen.
Vielleicht schaut jemand morgens seine Kaffeetasse an und denkt:
"Warum hat eine Tasse eigentlich nur einen Henkel?"
Und eine halbe Sekunde später:
Ach, egal.
Gedanke weg.
Kugel stehen geblieben.
Bei mir könnte es dagegen passieren, dass ich denke:
"Moment mal… warum eigentlich?"
Und dann…
…haben wir den Salat.
Warum nur einen Henkel?
Wären zwei nicht praktischer?
Könnte man dann mit beiden Händen trinken?
Warum haben Suppentassen manchmal zwei?
…
Oh nein.
Seht ihr?
Genau DAS meine ich.
Jetzt habe ich wegen dieses Artikels tatsächlich angefangen, über Tassenhenkel nachzudenken.
Grrrrrrr…
Aber vielleicht liegt genau dort die Antwort auf die Frage, die mir immer wieder gestellt wird.
"Woher nimmst du eigentlich all diese Ideen?"
Früher habe ich gesagt:
"Keine Ahnung. Sie sind einfach da."
Heute würde ich die Antwort ein kleines bisschen verändern:
Ich weiss immer noch nicht, woher sie kommen.
Aber ich glaube, ich weiss inzwischen, warum sie bleiben.
Ich höre ihnen zu.
Und manchmal…
…ist offenbar genau das der Moment, in dem aus einem vollkommen nutzlosen Gedanken eine Geschichte wird.
…
…
"Aso… aso… es isch eso…"
"Winnie?"
"Ja?"
"Was willst du?"
"Ich wollte nur fragen…"
"...warum heisst ein Tassenhenkel eigentlich Henkel?"
"..."
Mist.
Da rollt schon wieder eine Kugel.
Oberdoppelmist...
...wenn ich euch jetzt noch sagen würde, dass mir während des Schreibens dieses Beitrags bereits wieder Material für die verschiedensten Geschichten zugeflogen ist...
...dann ist das wahrscheinlich gar kein Wunder mehr.
Wisst ihr, was für mich inzwischen das eigentliche Wunder ist?
Dass ihr das auch könntet.
Vielleicht nicht genauso wie ich.
Vielleicht entstehen bei euch daraus keine Winnie-Geschichten.
Aber all diese kleinen Gedanken, Fragen und Dinge, die plötzlich irgendwo auftauchen...
...die sind auch bei euch da.
Man muss sie nur bemerken.
Vielleicht ist genau das der Punkt:
Bewusst leben.
Bewusst im Hier und Jetzt sein.
Nicht alles, was scheinbar unwichtig ist, sofort wieder wegschieben.
Sondern manchmal einfach kurz stehen bleiben und fragen:
"Moment mal... warum eigentlich?"
Vielleicht müssen wir gar nicht ständig nach neuen Ideen suchen.
Vielleicht ist längst alles da...
...und wir nutzen es nur viel zu selten.
...
Mist.
Jetzt habe ich schon wieder über etwas nachgedacht.
Gerry out.
