Winnie will effizienter werden

....oder planlos geht anders
Heute Morgen beschloss ich, effizienter zu werden.
Warum?
Keine Ahnung.
Wahrscheinlich, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass erfolgreiche Schafe ihre Zeit planen.
Also beschloss ich, ab sofort ein hochorganisiertes Schaf zu sein.
Ich setzte mich an den Küchentisch.
Mit einem Notizblock.
Drei Stiften.
Einem Lineal.
Und einem Schafuccino.
Man soll professionell wirken.
Nach einer Stunde war mein Tagesplan fertig.
08:00 Uhr
Schafuccino trinken
08:15 Uhr
Karottenkeks essen
08:30 Uhr
Über wichtige Dinge nachdenken
08:45 Uhr
Kurze Erholung vom Nachdenken
09:00 Uhr
Plan überprüfen
09:15 Uhr
Erholung von der Planüberprüfung
09:30 Uhr
Produktive Tätigkeit
09:45 Uhr
Belohnung für produktive Tätigkeit
Ich war begeistert.
Das sah nach Erfolg aus.
Richtigem Erfolg.
Mit Tabellen.
Ich liebe Tabellen.
Kurz darauf erschien Möbi.
"Was machst du?"
"Ich optimiere mein Leben."
"Aha."
"Ab heute wird alles effizient."
Möbi betrachtete meinen Plan.
Dann mich.
Dann wieder den Plan.
"Interessant."
"Nicht wahr?"
"Wie lange hast du gebraucht, um ihn zu erstellen?"
"Etwa eine Stunde."
"Und was hast du in dieser Stunde gemacht?"
"Den Plan erstellt."
"Aha."
Das gefiel mir nicht.
Gar nicht.
"Das zählt nicht."
"Warum nicht?"
"Weil Planung Arbeit ist."
"Sicher?"
Ich hasse dieses Wort.
Sicher.
Wenn Möbi es benutzt, wird es gefährlich.
Der Tag begann.
08:00 Uhr.
Schafuccino.
Perfekt.
08:15 Uhr.
Karottenkeks.
Perfekt.
08:30 Uhr.
Nachdenken.
Perfekt.
08:45 Uhr.
Erholung vom Nachdenken.
Ebenfalls perfekt.
09:00 Uhr.
Plan überprüfen.
Auch perfekt.
09:15 Uhr.
Erholung von der Planüberprüfung.
Überraschend anstrengend.
09:30 Uhr.
Produktive Tätigkeit.
Ich überlegte lange, welche produktive Tätigkeit gemeint war.
Leider hatte ich das nicht notiert.
Also schrieb ich auf den Plan:
Produktive Tätigkeit definieren.
Damit war die Zeit bereits vorbei.
09:45 Uhr.
Belohnung.
Karottenkeks.
Verdient.
Absolut verdient.
So ging das den ganzen Tag.
Punkt für Punkt.
Pause für Pause.
Belohnung für Belohnung.
Am Abend sass ich zufrieden auf der Gartenbank.
Möbi kam vorbei.
"Na?"
"Fantastisch."
"Was hast du heute geschafft?"
"Alles."
"Zum Beispiel?"
Ich betrachtete meinen Plan.
Dann nochmals.
Dann ein drittes Mal.
"Interessante Frage."
Möbi nickte.
"Und?"
"Eigentlich ... nichts."
"Mhm."
"Aber mein Plan war perfekt."
"Das glaube ich sofort."
Ich seufzte.
"Wo liegt der Fehler?"
Möbi setzte sich neben mich.
"Winnie."
"Ja?"
"Wer jede Minute plant, verplant manchmal den Tag."
"Wie meinst du das?"
"Du hast so viel Zeit damit verbracht, dein Leben zu organisieren, dass du vergessen hast, es zu leben."
Das sass.
Leider.
Denn er hatte recht.
Ich blickte auf meinen minutiösen Plan.
Dann auf den Sonnenuntergang.
Dann auf die Karottenkekse.
Die Karottenkekse wirkten deutlich sinnvoller.
Möbi lächelte.
"Was lernst du daraus?"
Ich nahm einen Keks.
"Dass Effizienz überschätzt wird?"
"Nein."
"Schade."
"Dass zwischen zwei Terminen manchmal das Beste passiert."
Ich dachte darüber nach.
Dann strich ich den Plan durch.
Bis auf einen einzigen Punkt.
08:15 Uhr – Karottenkeks.
Man muss ja nicht gleich alles ändern. 😄
Winnie out.
