Winnie und die automatische Katzentoilette

…oder warum ich seit heute Hausverbot in einem Zoofachgeschäft habe.
Aso… aso… es isch eso…
…ich habe etwas erfunden.
Also…
…fast.
Eigentlich hat es jemand anderes erfunden.
Aber ich habe sofort erkannt, was man damit machen könnte.
Und das ist ja praktisch dasselbe.
Angefangen hat alles damit, dass ich im Internet eine automatische Katzentoilette gesehen habe.
Kennt ihr die?
Die Katze geht rein.
Macht…
…Katze.
Und danach dreht sich das ganze Ding automatisch und reinigt sich selbst.
Ich war begeistert.
Nicht wegen der Katze.
Wir haben keine Katze.
Aber wegen dem Prinzip.
Etwas geht hinein.
Etwas passiert.
Es dreht sich.
Und danach ist alles sauber.
Das ist GENIAL!
Ich rief Hilde.
"HILDE!"
Hilde kam.
"Was ist passiert?"
"Wir brauchen eine automatische Katzentoilette."
Hilde schaute mich an.
"Wir haben keine Katze."
"Das ist momentan der einzige Schwachpunkt meines Plans."
"Welchen Plan?"
"Das weiss ich noch nicht."
Hilde ging wieder.
Das macht sie häufig, wenn Gespräche mit mir einen gewissen Punkt erreicht haben.
Also fuhr ich in ein Zoofachgeschäft.
Dort stand eine.
Gross.
Weiss.
Rund.
Fast wie eine Raumkapsel.
Ich ging einmal darum herum.
Dann noch einmal.
Dann öffnete ich die Klappe.
Ein Verkäufer kam.
"Kann ich Ihnen helfen?"
"Wie viel Gewicht hält die aus?"
Der Verkäufer sah mich an.
"Wie schwer ist denn Ihre Katze?"
"Darum geht es nicht."
Jetzt sah er mich anders an.
"Worum geht es denn?"
"Wie viel Gewicht hält sie aus?"
"Warum?"
Ich zeigte auf die Öffnung.
"Rein theoretisch."
"Was rein theoretisch?"
"Wenn etwas hineingehen würde."
"Eine Katze?"
"Nein."
"Was denn?"
Ich schwieg.
Er schaute mich an.
Ich schaute die Katzentoilette an.
Dann schaute er mich an.
Dann schaute er die Katzentoilette an.
"Sie wollen da nicht etwa rein?"
"Nein!"
Natürlich nicht.
Was dachte der von mir?
Ich wollte zuerst nur wissen, ob ich reinpassen würde.
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
"Die Toilette ist ausschließlich für Katzen."
"Das verstehe ich."
"Gut."
"Aber technisch gesehen erkennt sie doch nur Gewicht."
"Ja."
Aha.
Jetzt kamen wir der Sache näher.
"Und wenn beispielsweise ein Schaf…"
Der Verkäufer blinzelte.
"Ein was?"
"Ein kleines Schaf."
"Sie haben ein kleines Schaf?"
"Doofe Frage! Was soll ich sonst haben! Aber es ist kompliziert."
Er schaute zur Kasse.
Vermutlich wollte er Verstärkung holen.
Ich musste schneller werden.
"Kann man den Reinigungszyklus manuell starten?"
"Ja."
AHA!
"Und dreht sich dann die Trommel komplett?"
"Ja."
AHA!
"Wie schnell?"
"Langsam."
AHA!
"Winnie!"
Ich drehte mich um.
Hilde.
Ich weiss bis heute nicht, wie sie mich gefunden hat.
Vermutlich gibt es für Ehefrauen eine App.
Wo ist mein Depp?
Mit GPS.
Hilde betrachtete mich.
Dann die Katzentoilette.
Dann den Verkäufer.
"Was macht er?"
Der Verkäufer zeigte auf mich.
"Er möchte in die Katzentoilette."
"Ich möchte NICHT in die Katzentoilette!"
Kurze Pause.
"Ich möchte lediglich wissen, was passiert, WENN ich in die Katzentoilette gehe."
Hilde schloss die Augen.
Der Verkäufer schloss die Augen.
Ich war offenbar der Einzige, der sich ernsthaft mit der technischen Fragestellung beschäftigte.
"Winnie", sagte Hilde.
"Ja?"
"Wir gehen."
"Aber Hilde…"
"Jetzt!"
"Ich habe noch nicht herausgefunden, ob…"
"JETZT!!!"
Gut.
Wir gingen.
Fast.
Denn auf dem Weg nach draußen sah ich etwas.
Ein kleines Schild.
VORFÜHRMODELL
Ich blieb stehen.
Hilde bemerkte es nicht.
Der Verkäufer war kurz an der Kasse.
Die Katzentoilette stand da.
Ich stand da.
Wir waren allein.
Manche Entscheidungen im Leben brauchen Zeit.
Diese hier nicht.
Ich öffnete die Klappe.
Nur um zu schauen.
Dann steckte ich den Kopf hinein.
Sehr geräumig.
Dann einen Arm.
Auch gut.
Dann den zweiten.
Und wenn man schon mit Kopf und beiden Armen in einer automatischen Katzentoilette steckt…
…ist der Rest eigentlich nur noch eine Frage der eigenen Beweglichkeit.
Ich kroch hinein.
Es passte.
Knapp.
Aber es passte.
Ich war beeindruckt.
"Ha!"
Dann hörte ich:
PIEP.
Ich erstarrte.
Noch einmal:
PIEP.
Dann eine freundliche Frauenstimme:
"Reinigungszyklus beginnt."
…
Scheisse.
"HILDE!"
Die Trommel bewegte sich.
"HILDE!!"
Langsam drehte sich die Welt nach links.
Ich versuchte rückwärts rauszukrabbeln.
Das ging nicht.
Meine Zipfelmütze hatte sich irgendwo verhakt.
"HILDE!!!"
Die Trommel drehte weiter.
Jetzt lag ich auf dem Rücken.
Dann seitlich.
Dann mit dem Hintern oben.
Dann wusste ich kurz nicht mehr, wo oben überhaupt war.
"STOPP!"
Die Katzentoilette war anderer Meinung.
Dreh.
"HILDE!"
Dreh.
"VERKÄUFER!"
Dreh.
"IRGENDJEMAND!"
Dann blieb sie stehen.
Ich atmete.
Gut.
Vorbei.
Eine Sekunde später sagte die Frauenstimme:
"Reinigung wird fortgesetzt."
"NEIN, WIRD SIE NICHT!"
Doch.
Wurde sie.
Als Hilde zurückkam, sah sie zuerst meine Beine.
Die schauten aus der Katzentoilette.
Meine "I LOVE DAD"-Socken direkt auf Augenhöhe.
Sie blieb stehen.
Der Verkäufer kam dazu.
Auch er blieb stehen.
Niemand sagte etwas.
Ich hing kopfüber in einer automatischen Katzentoilette.
"Hilde?"
Stille.
"Hilde, ich kann das erklären."
Noch immer Stille.
"Also zumindest Teile davon."
Der Verkäufer ging zum Gerät und zog den Stecker.
Hilde half mir heraus.
Meine Zipfelmütze blieb drin.
Ich stand auf.
Richtete meine Weste.
Der Verkäufer hielt mir die Mütze hin.
"Danke."
"Bitte."
Dann sagte er:
"Sie müssen das Gerät bezahlen."
"Warum?"
Er zeigte darauf.
An der Innenseite klebten überall weisse Wollflusen.
Sehr viele.
Er sah mich an.
"Das bekommen wir nie wieder sauber."
Ich überlegte.
"Aber…"
Ich zeigte auf das Gerät.
"…ist das nicht irgendwie der Sinn einer selbstreinigenden Katzentoilette?"
Hilde ging.
Einfach so.
Richtung Ausgang.
"Hilde?"
Sie ging weiter.
"HILDE?"
Ich drehte mich zum Verkäufer.
"Sie kommt wieder."
Er sagte nichts.
"Bestimmt."
Nichts.
"Wir sind verheiratet."
Der Verkäufer nickte langsam.
"Noch."
Ich fand, das war unnötig.
Jedenfalls…
…besitzen wir jetzt eine automatische Katzentoilette.
Wir haben zwar immer noch keine Katze.
Aber ich habe bereits eine neue Idee.
Man könnte darin hervorragend Karotten waschen.
Hilde sagt Nein.
Sehr entschieden sogar.
PS: Die Katzentoilette steht jetzt im Keller.
PPS: Der Verkäufer hat mir ausdrücklich verboten, das Geschäft noch einmal ohne Begleitperson zu betreten.
PPPS: Ich finde das übertrieben.
PPPPS: Ich habe schließlich bezahlt.
PPPPPS: Möbi möchte wissen, warum auf der Bedienungsanleitung jetzt handschriftlich steht: "NICHT FÜR SCHAFE GEEIGNET."
PPPPPPS: Manche technischen Fortschritte beginnen eben mit einem Pionier.
PPPPPPPS: Hilde sagt, ich sei kein Pionier.
PPPPPPPPS: Sondern der Grund, warum Bedienungsanleitungen immer dicker werden.
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