Warum manche Lieder Türen öffnen!

Oder: Winnies Herzschublade
Aso... aso... es isch eso...
Heute sass ich auf dem Sofa.
Ganz alleine.
Keine Karottenkekse.
Keine Schnürpfelfee.
Nicht einmal Pfüddi hatte irgendwo etwas verloren.
Also ein ziemlich ungewöhnlicher Tag.
Ich dachte gerade darüber nach, ob man einen Schafuccino eigentlich auch mit zwei Zuckerwürfeln trinken darf, als plötzlich ein Lied lief.
Ein ganz bestimmtes Lied.
Und plötzlich war mein Wohnzimmer nicht mehr mein Wohnzimmer.
Kennt ihr das?
Man hört ein Lied.
Und auf einmal sitzt man nicht mehr dort, wo man gerade ist.
Sondern irgendwo in einer Erinnerung.
Bei einem Menschen.
Bei einem Gespräch oder einer Situation.
Bei einem Moment, von dem man dachte, er sei längst vorbei.
Ich mag solche Momente.
Auch wenn sie manchmal ein wenig weh tun.
Oder vielleicht gerade deshalb.
Da setzte sich Möbi neben mich.
Natürlich. - Seufz.
Professoren tauchen immer genau dann auf, wenn man eigentlich in Ruhe nachdenken möchte.
"Warum machen Lieder das?", fragte ich.
Möbi überlegte kurz.
Dann sagte er:
"Vielleicht weil Erinnerungen keine Augen haben."
Ich blinzelte.
"Was?"
"Sie sehen nicht."
"Und?"
"Sie hören."
Das klang wieder einmal verdächtig nach Möbi.
Aber irgendwie verstand ich trotzdem, was er meinte.
Manche Lieder erinnern uns nicht zwingend an Menschen.
Sie erinnern uns daran, wer wir damals waren.
Und manchmal vermissen wir gar nicht die Vergangenheit.
Sondern die Version von uns selbst, die damals dort gelebt hat.
Darüber dachte ich lange nach.
Und hörte das Lied nochmals.
Und nochmals.
Und nochmals.
Bis Hilde ins Wohnzimmer kam.
"Was hörst du da?"
"Ein Lied."
"Schon wieder?"
"Ja."
"Warum?"
"Weil es etwas in mir berührt."
Hilde nickte.
Dann zog sie langsam einen Schuh aus.
Ich machte die Musik sofort lauter.
Manche Gefahren muss man erkennen, bevor es zu spät ist.
Musiktipp aus Winnies Herzschublade 🎵
Der heutige Beitrag wurde von diesem Lied inspiriert:
Ksenia Buzina – One Last Cry
👉 https://www.youtube.com/watch?v=ffhz_50Ac7Y
Manche Lieder hört man.
Andere erinnern einen an etwas.
Dieses gehört für mich zur zweiten Kategorie.
...und Gerry liebt diese Lied!
Ein Gedanke zum Schluss
Während ich das Lied hörte, musste ich an ein Buch denken.
Nicht an eines von Möbi.
Das wäre viel zu kompliziert geworden.
Sondern an "InMittenLand" – Ein Land zwischen dem, was ist, und dem, was werden will."
Denn genau darum geht es dort.
Um Erinnerungen.
Um Hoffnung.
Um Menschen.
Um das, was verloren scheint.
Und um das, was trotzdem bleibt.
Manchmal genügt ein Lied.
Manchmal ein Gedanke.
Und manchmal öffnet beides zusammen eine Tür, von der man gar nicht wusste, dass sie noch existiert.
Was ich gelernt habe
Manche Lieder öffnen Türen, die längst verschlossen schienen.
Erinnerungen hören oft besser, als sie sehen.
Gefühle sind nicht immer bequem. Aber meistens ehrlich.
Manchmal vermisst man nicht einen Menschen, sondern die Person, die man damals selbst war.
Und Hildes Füsse bleiben immer noch gefährlicher als jede künstliche Intelligenz.
Winnie out.
