Pfüddi braucht ein neues Dreirad

…oder warum drei Räder manchmal einfach nicht reichen.
Aso… aso… es isch eso…
…ich habe etwas erfahren.
Unsere Nachbarin bekommt ein Dreirad.
Also…
…kein Kinder-Dreirad.
Ein richtiges.
Mit drei Rädern.
Sie braucht es, um ihre Postsendungen zu verteilen.
Weil sie damit mehr transportieren kann.
Und weil so ein Dreirad nicht so schnell umfällt.
Ich fand das sofort genial.
Nicht wegen der Post.
Wegen Pfüddi.
Pfüddi hat nämlich auch ein Dreirad.
Allerdings hat Pfüddi ein kleines Problem.
Kurven.
Geradeaus geht eigentlich ganz gut.
Meistens.
Aber sobald eine Kurve kommt, entwickelt Pfüddi eine Fahrphysik, die vermutlich noch nicht vollständig erforscht ist.
Er fährt hinein.
Dann kommt ein kurzes…
"Mmpff."
…und kurz darauf liegt irgendwo ein Dreirad.
Und irgendwo anders Pfüddi.
Manchmal auch umgekehrt.
Ich habe deshalb schon länger darüber nachgedacht, wie man dieses Problem lösen könnte.
Und nun hatte ich die Antwort.
Ein neues Dreirad!
Hilde schaute mich an.
"Pfüddi hat doch schon ein Dreirad."
"Ja."
"Und weshalb braucht er dann ein neues?"
Ich erklärte ihr, dass das jetzige Dreirad offensichtlich nicht über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügt.
"Welche Voraussetzungen?"
Ich überlegte.
"Kurven."
Hilde ging.
Also begann ich mit der Planung.
Pfüddis neues Dreirad braucht natürlich drei Räder.
Wobei…
…wenn drei Räder wirklich so sicher wären, würde Pfüddi nicht regelmässig danebenliegen.
Also vier.
Vier Räder wären besser.
Andererseits könnte bei vier Rädern immer noch eines den Bodenkontakt verlieren.
Also sechs.
Sechs Räder sind gut.
Zwei vorne.
Zwei hinten.
Und zwei für…
…Sicherheit.
Damit hätten wir das Fahrwerk.
Jetzt brauchen wir die Kurvenstabilisierung.
Ich dachte zuerst an Stützräder.
Aber Stützräder an einem Dreirad wirken irgendwie unprofessionell.
Deshalb bekommt Pfüddi zwei hydraulisch ausfahrbare Kurvenstützen.
Sobald sich das Dreirad um mehr als 3 Grad zur Seite neigt…
Ffffft!
…fahren sie automatisch aus.
Falls das nicht reicht, brauchen wir zusätzlich einen Neigungssensor.
Und einen Computer.
Der Computer berechnet während der Fahrt permanent:
Geschwindigkeit.
Kurvenradius.
Neigungswinkel.
Windrichtung.
Untergrund.
Gewicht des Fahrers.
Gewicht des Nuggis.
Und ob Pfüddi gerade vernünftig fährt.
Und ob die Windeln schon wieder voll sind.
Den letzten Sensor könnte man sich vermutlich sparen.
Der würde sowieso ständig Alarm schlagen.
PIIIIIEP!
"Mmpff."
Natürlich braucht das Dreirad auch einen Motor.
Nicht zum Fahren.
Pfüddi kann selber treten.
Aber für den Notfall.
Wenn der Computer erkennt, dass Pfüddi zu schnell in eine Kurve fährt, übernimmt der Motor automatisch.
Er bremst das innere Rad ab.
Beschleunigt das äussere.
Fährt die hydraulischen Stützen aus.
Spannt den Sicherheitsgurt.
Und sagt:
"ACHTUNG. Pfüddi fährt wieder."
Ich finde, Sicherheit geht vor.
Dann fiel mir ein weiteres Problem auf.
Airbags.
Ein modernes Fahrzeug ohne Airbags ist unverantwortlich.
Also bekommt Pfüddi vorne einen.
Links einen.
Rechts einen.
Hinten einen.
Und einen im Lenker.
Vielleicht noch einen unter dem Sitz.
Wobei…
…wenn alle gleichzeitig auslösen, könnte Pfüddi ungefähr 80 Zentimeter über dem Dreirad schweben.
Das wäre eigentlich gar nicht schlecht.
Dann kann er wenigstens nicht umfallen.
Ich notierte:
Airbag-Schwebesystem.
Patent eventuell anmelden.
Dann kam Hilde wieder.
Sie schaute auf meine Zeichnung.
"Was ist das?"
"Pfüddis neues Dreirad."
"Warum hat es sechs Räder?"
"Sicherheit."
"Und diese Dinger?"
"Hydraulische Kurvenstützen."
"Das da?"
"Bordcomputer."
"Und das?"
"Airbag-Schwebesystem."
Hilde schwieg.
Dann zeigte sie auf etwas anderes.
"Und warum hat das Dreirad einen Spoiler?"
Ich schaute auf meine Zeichnung.
"Aerodynamik."
"Pfüddi fährt ungefähr vier Kilometer pro Stunde."
Ich schaute wieder auf den Spoiler.
"Dann braucht er einen grösseren."
Hilde ging wieder.
Ich plante weiter.
Rückfahrkamera.
ABS.
ESP.
ASR.
GPS.
Totwinkelassistent.
Spurhalteassistent.
Berganfahrhilfe.
Abstandsradar.
Reifendruckkontrolle.
Automatische Nuggi-Erkennung.
Getränkehalter.
Karottenkeksfach.
Und natürlich ein Blaulicht.
Das Blaulicht ist wichtig.
Falls Pfüddi wieder irgendwo liegt.
Dann findet man ihn schneller.
Am Abend zeigte ich Pfüddi meinen Plan.
Er sass auf seinem alten Dreirad.
Nuggi im Mund.
Ich erklärte ihm das Sechsradfahrwerk.
Die hydraulischen Kurvenstützen.
Den Computer.
Die Airbags.
Den Spoiler.
Die automatische Stabilisierung.
Und das Notfall-Blaulicht.
Pfüddi hörte aufmerksam zu.
Dann sagte er:
"Mmpff."
Er trat in die Pedale.
Fuhr los.
Geradeaus.
Dann kam die erste Kurve.
Pfüddi fuhr hinein.
Das Dreirad kippte.
Pfüddi flog ins Gras.
Der Nuggi flog ungefähr zwei Meter weiter.
Stille.
Pfüddi setzte sich auf.
Schaute mich an.
Ich schaute Pfüddi an.
Dann nahm ich meinen Plan.
Und schrieb ganz unten:
SCHLEUDERSITZ MIT AUSFAHRBAREM FALLSCHIRM
Man weiss ja nie.
PS:
Hilde meint, ich könnte Pfüddi auch einfach beibringen, vor einer Kurve langsamer zu fahren.
Ich habe ihr erklärt, dass wir hier über technische Lösungen sprechen.
Nicht über Science-Fiction.
PPS:
Die Nachbarin hat inzwischen ihr Dreirad.
Es hat tatsächlich nur drei Räder.
Keine hydraulischen Kurvenstützen.
Keine Airbags.
Keinen Bordcomputer.
Nicht einmal einen Spoiler.
Ich weiss nicht, wie sie damit verantwortungsvoll Post austragen will.
PPPS:
Pfüddi möchte jetzt auch Post austragen.
Ich habe ihm erklärt, dass man dafür lesen können muss.
Er sagte:
"Mmpff."
Jetzt bin ich nicht mehr ganz sicher, ob das Nein bedeutet.
Oder ob er bereits eine Bewerbung geschrieben hat.
Winnie out.
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