Sinn und Nutzen

15.09.2026
Schaf-Winnie läuft im Garten, hält Notizbuch mit Wünschen, Papierflocken schweben vor einem kleinen Eingang.
Sinn un Nutzen

…und warum Menschen ihre Zeit mit völlig unnützen Dingen verbringen.

Aso… aso… es isch eso…

…ich muss euch etwas gestehen.

Seit gestern beschäftigt mich eine sehr ernste Frage.

Und Gerry ist schon wieder schuld.

Nachdem er nämlich angefangen hatte, darüber nachzudenken, warum Menschen überhaupt ihre Zeit damit verbringen über sinnlose Dinge nachzudenken und sich mit vollkommen sinnlosen Dingen beschäftigen…

…habe ich angefangen, darüber nachzudenken, warum Menschen sich mit vollkommen sinnlosen Dingen beschäftigen.

Ja.

Ich weiss.

Das Problem ist offensichtlich!

Aber nun war die Frage da.

Und wenn eine Frage einmal da ist…

…kann man sie schliesslich nicht einfach unbeaufsichtigt herumliegen lassen.

Also setzte ich mich hin und begann nachzudenken.

Menschen machen wirklich erstaunlich viele Dinge, die auf den ersten Blick vollkommen unnütz erscheinen.

Sie lösen Kreuzworträtsel. Tschuldigung an alle Kreuzworträtsel-Liebhaber.....

Sie schauen stundenlang anderen Menschen dabei zu, wie sie einen Ball irgendwohin befördern.

Sie sammeln Briefmarken.

Sie bauen Modelle von Dingen, die es bereits in gross gibt. Sorry, lieber Nachbar......

Sie schauen lustige Katzenvideos.

Sie diskutieren darüber, welcher Schauspieler der beste James Bond war.

Manche sitzen sogar vor einer Tasse und fragen sich…

…warum sie nur einen Henkel hat. 

Okay.....das mit dem Henkel ist schon die Oberliga von unnütz. Zum Glück kann mir das nicht passieren! 

Also alles vollkommen sinnlos!

Ich nickte zufrieden.

Fall abgeschlossen.

Da kam Möbi.

"Was machst du?"

"Ich habe gerade herausgefunden, dass Menschen unglaublich viel Zeit mit vollkommen unnützen Dingen verschwenden."

"Aha?!"

Ich mag dieses "Aha" von Möbi nicht.

Da kommt meistens noch etwas.

Und tatsächlich.

"Was ist denn unnütz?"

Ich schaute ihn an.

"Na… etwas, das keinen Nutzen hat."

"Das ist keine Erklärung."

"Natürlich ist das eine Erklärung."

"Nein. Du hast gerade unnütz mit keinem Nutzen erklärt."

Ich dachte kurz darüber nach.

Mist.

"Also gut. Wenn am Ende nichts dabei herauskommt."

"Was muss denn herauskommen?"

"Na… etwas."

"Was?"

"Etwas Sinnvolles."

"Zum Beispiel?"

Langsam bekam ich das Gefühl, dass dieses Gespräch für mich in eine sehr unangenehme Richtung lief.

"Wenn jemand beispielsweise eine Stunde lang ein Puzzle zusammensetzt", sagte Möbi, "ist das für dich unnütz?"

"Natürlich."

"Warum?"

"Weil er nachher nur ein fertiges Puzzle hat."

"Und wenn es ihm Spass gemacht hat?"

"Dann hat er Spass gehabt."

"Dann ist also etwas dabei herausgekommen."

Wie sagte ich vorher: ..."...unangenehme Richtung für mich",  aber ich schwieg.

Möbi machte weiter.

"Wenn jemand eine halbe Stunde lang mit seinem Hund spielt?"

"Danach ist der Hund immer noch derselbe."

"Aber vielleicht geht es dem Menschen danach besser!"

"Hmmm."

"Wenn jemand Musik hört?"

"Danach ist die Musik vorbei."

"Vielleicht ist dafür auch seine schlechte Laune vorbei."

"Mist."

"Wenn jemand mit Freunden zusammensitzt und zwei Stunden lang über vollkommen belangloses Zeug redet?"

"Danach weiss keiner mehr als vorher."

"Vielleicht haben sie zusammen gelacht."

"Doppelmist."

Ich musste nachdenken.

Vielleicht lag das Problem gar nicht bei den Dingen.

Vielleicht lag es bei dem Wort Nutzen.

Denn wenn ich Nutzen so verstehe, dass am Ende immer etwas entstehen muss…

…Geld.

Ein Produkt.

Eine erledigte Arbeit.

Etwas Messbares.

…dann ist tatsächlich ziemlich viel im Leben unnütz.

Aber was ist mit einem Lachen?

Was ist mit Freude?

Was ist mit Neugier?

Was ist mit Erholung?

Was ist mit diesem wunderbaren Moment, in dem man für eine Weile einfach vergisst, dass man vorher schlechte Laune hatte?

Ist das wirklich nichts?

Ich schaute Möbi an.

"Dann gibt es vielleicht gar keine unnützen Beschäftigungen."

"Das habe ich nicht gesagt."

"Aha!"

Endlich hatte ich ihn.

"Es gibt durchaus Dinge, mit denen man seine Zeit verbringen kann und hinterher denkt: Das hätte ich mir sparen können. - Wobei: sogar etwas das man sich hätte sparen können, kann später dazu führen, dass man genau dieses dann nicht wieder macht. "

"Siehst du!"

"Ob etwas nützlich war, entscheidet sich nicht immer daran, ob dabei etwas Sichtbares entstanden ist."

Ich wurde still.

Das war wieder so ein Möbi-Satz.

Diese Sätze sehen am Anfang meistens harmlos aus.

Und fünf Minuten später sitzt man irgendwo und muss über sein Leben nachdenken.

Also machte ich sicherheitshalber etwas anderes.

Ich ging zu Hilde.

Sie sass auf dem Sofa und machte…

…nichts.

"Was machst du?"

"Nichts."

"Seit wann?"

"Seit ungefähr zwanzig Minuten."

"Und was bringt das?"

Sie schaute mich an.

"Ruhe."

Gut.

Nächster Versuch.

Pfüddi sass auf dem Boden und stapelte Bauklötze.

Einen auf den anderen.

Dann fiel der Turm um.

"Mmpff!"

Er lachte.

Dann baute er ihn wieder auf.

Er fiel wieder um.

"Mmpff!"

Wieder Gelächter.

Ich beobachtete ihn eine Weile.

Objektiv betrachtet…

…vollkommen sinnlos.

Der Turm wurde gebaut.

Der Turm fiel um.

Dann wurde er wieder gebaut.

Am Ende würde kein Turm dastehen.

Kein Geld verdient sein.

Kein Problem der Schafheit gelöst.

Nichts.

Ausser…

…Pfüddi hatte die ganze Zeit gelacht.

Ich setzte mich neben ihn.

Er gab mir einen Bauklotz.

Ich setzte ihn oben drauf.

Der Turm fiel um.

Pfüddi:

"MMPFF!"

Ich musste lachen.

Wir bauten ihn wieder auf.

Eine halbe Stunde später kam Möbi vorbei.

Er blieb stehen.

"Was macht ihr?"

"Etwas vollkommen Unnützes."

"Aha."

"Möbi?"

"Ja?"

"Diesmal darfst du dein Aha behalten!"

Denn plötzlich verstand ich etwas.

Vielleicht muss nicht jede Minute unseres Lebens irgendwohin führen.

Vielleicht darf eine Minute manchmal einfach nur…

…schön sein.

Vielleicht ist ein Spaziergang nicht unnütz, nur weil man danach wieder dort ankommt, wo man losgelaufen ist.

Vielleicht ist ein Gespräch nicht unnütz, nur weil danach keine Entscheidung getroffen wurde.

Vielleicht ist eine Geschichte nicht unnütz, nur weil man nachher genau derselbe Mensch ist wie vorher.

Und vielleicht ist sogar ein vollkommen bescheuerter Blogbeitrag über einen Tassenhenkel nicht unnütz…

…wenn irgendwo ein Mensch davor sitzt…

…und für einen kurzen Moment grinsen muss.

Ich dachte darüber nach.

Dann fiel mir etwas auf.

"Möbi?"

"Ja?"

"Ich habe jetzt fast den ganzen Vormittag damit verbracht herauszufinden, warum Menschen ihre Zeit mit unnützen Dingen verschwenden."

"Stimmt."

"Und was habe ich davon?"

Möbi lächelte.

"Du hast etwas herausgefunden."

"Was?"

"Dass du deinen ganzen Vormittag nicht verschwendet hast."

Ich hasse es, wenn er das macht.

Winnie out.

PS: Falls ihr gerade mehrere Minuten eures Lebens damit verbracht habt, einen Blogbeitrag darüber zu lesen, warum Menschen mehrere Minuten ihres Lebens mit unnützen Dingen verbringen…

…und ihr dabei wenigstens einmal gegrinst habt:

Dann war er offenbar nicht unnütz.

Ha!

Fall abgeschlossen.

"Möbi?"

"Ja?"

"Warum sagt man eigentlich Fall abgeschlossen?"

"Winnieeeeeeeee!!!!!!!!!!!!!!!!!!!…"

Oberdoppelmist. 😁



"So nicht, meine Herren! Es reicht jetzt!" 

Ihr produziert mir hier eine Endlosschleife, und ich kann gar nicht so alt werden, um das alles noch als Blogbeiträge zu verfassen!

Deshalb:

"Ich entscheide jetzt, worüber morgen geschrieben wird!"

.....

"Aso… aso…"

"Ja, Winnie?"

"Wollte nur anmerken, dass es so sein soll und dein Wunsch wahr werden soll, Gerry."

"Danke, Winnie."

"Wunsch?"

"Wünsche?"

"Warum wünschen Menschen eigentlich…"

"WINNIEEEEE!"

"Wo versteckst du dich?!"


(Da Winnie nicht "Winnie out" sagen kann, übernehme ich...)

Möbi out. 


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