Mal was sinnvolles!

…oder warum ich nachts offenbar einen Stundenplan habe.
Aso… aso… es isch eso…
…ich finde, es reicht!
In den letzten Tagen haben wir hier über finnisch sprechende norwegische Schnürpelfeen geredet, die in England wohnen. Oder war es umgekehrt? Egal.....
Ich habe herausgefunden, dass mehrere Bewohner in meinem Kopf leben, die keine Miete bezahlen.
Ein rosa Elefant ist aufgetaucht.
Karottenkekse haben sich in meinem Denken vermehrt.
Und Möbi hat inzwischen vermutlich einen Termin bei seinem Büsiater.
Gerry auch, aber der hat ja einen Kunden, der Psychologe ist.
Deshalb habe ich beschlossen:
Heute gibt es Bildung.
Etwas Gescheites.
Etwas Vernünftiges.
Etwas, bei dem man nach dem Lesen sagen kann:
"Wow. Heute habe ich bei Winnie wirklich etwas gelernt."
Ich habe lange überlegt, welches Thema dafür geeignet wäre.
Quantenphysik wäre möglich gewesen, aber das erschien mir zu einfach.
Ich wollte etwas, was wirklich schwierig ist.
Deshalb:
DER SCHLAF
Genauer gesagt:
Die Schlafphasen.
Ha!
Damit habt ihr nicht gerechnet.
Heute wird nämlich nicht geblödelt.
Heute wird gelernt.
Also.
Der schafische Schlaf und wahrscheinlich auch der menschliche besteht nicht einfach aus:
Augen zu → schlafen → Augen auf.
Nein.
Während wir schlafen, durchlaufen wir verschiedene Schlafstadien.
Grob gesagt gibt es den sogenannten Non-REM-Schlaf mit mehreren Stadien – darunter Leicht- und Tiefschlaf – und den REM-Schlaf.
Diese wechseln sich während der Nacht mehrfach ab und bilden Schlafzyklen.
Und jetzt kommt bereits die erste wichtige Information:
Ein solcher Schlafzyklus dauert nicht einfach immer exakt 90 Minuten, wie man häufig hört, sondern ungefähr 80 bis 100 Minuten.
In einer normalen Nacht durchlaufen wir meistens etwa vier bis sechs solcher Zyklen.
Und die sind nicht einmal alle gleich.
Zu Beginn der Nacht verbringen wir normalerweise mehr Zeit im Tiefschlaf.
Später in der Nacht nimmt der REM-Schlaf zu.
…
So.
Jetzt bitte kurz innehalten.
Das waren gerade mehrere vernünftige Sätze hintereinander.
Von mir.
Ich bin ein wenig stolz.
Dafür gebührt mir ein Karottenkeks.
Bildung braucht Energie.
…
Moment.
80 BIS 100 MINUTEN?!
Das sind zwanzig Minuten Unterschied!
Wie soll man damit einen vernünftigen Nachtfahrplan erstellen?
Und warum gibt es zuerst mehr Tiefschlaf und später mehr REM?
Wer entscheidet das?
Wer sagt meinem Körper:
"Hallo! Tiefschlaf Feierabend! REM bitte übernehmen!"
…
Hmmm..........
Oh nein!
Da war es wieder.
Das Denken.
Ich hatte mir doch vorgenommen, heute nur Bildung zu machen.
Aber die Frage ist berechtigt.
Sehr sogar.
Denn offenbar passiert nachts ungefähr Folgendes:
Ich schlafe ein.
Komme durch verschiedene Non-REM-Stadien.
Irgendwann kommt der Tiefschlaf.
Später REM.
Dann beginnt wieder ein neuer Zyklus.
Mehrmals.
Die ganze Nacht.
Das bedeutet:
In mir herrscht nachts Schichtbetrieb.
Und irgendjemand muss diesen Schichtbetrieb organisieren.
Damit wir schön im Bildungsbereich bleiben, nehme ich kurz noch den Notizblock, um das entsprechend logisch zu dokumentieren.
Oben schreibe ich:
NACHTFAHRPLAN
Darunter:
22.30 Uhr – Betriebsaufnahme
22.45 Uhr – Leichtschlaf
23.15 Uhr – Tiefschlaf
00.00 Uhr – irgendwas anderes
00.30 Uhr – REM
01.00 Uhr – vermutlich wieder von vorne
Mein Plan sieht professionell aus.
Kannst du soweit folgen?
Allerdings habe ich die Zeiten frei erfunden.
Das stört mich.
Ein Stundenplan mit falschen Stunden ist im Grunde nur ein Plan.
Und davon habe ich genug.
Stichwort: Gerry Geburtstag.
Also muss Möbi her.
Ich finde ihn im Garten.
Er liest ein Buch.
Natürlich.
Möbi liest immer Bücher.
Vermutlich damit er noch mehr Dinge weiss, die ich ihn später fragen kann.
"Möbi?"
Er sieht nicht auf.
"Nein."
"Ich habe noch gar nichts gefragt."
"Ich bereite mich vor."
"Möbi, wie weiss mein Körper nachts, wann er die Schlafphase wechseln muss?"
Das muss ich dem Blogleser doch sagen können.
Jetzt sieht er auf.
"Was?"
"Na, ich kann doch nicht die ganze Nacht kontrollieren, ob ich noch im Tiefschlaf bin."
"Nein."
"Siehst du."
"Was sehe ich?"
"Wir haben ein organisatorisches Problem."
"Wir?"
"Mein Körper und ich."
Möbi legt sein Buch weg.
Das ist ein gutes Zeichen.
Oder ein schlechtes.
Bei Möbi weiss man das nie.
"Dein Schlaf wird durch verschiedene biologische Prozesse reguliert. Dabei spielen unter anderem dein Schlafdruck und deine innere Uhr eine wichtige Rolle."
Ich hebe die Hand.
"Moment."
"Was?"
"Ich habe Schlafdruck?" ....äh, bitte richtig lesen: nicht Schafdruck, sondern Schlafdruck! Ersteres endet immer auf der Schafolette und hat nicht mit Schlafen zu tun.
Also: "Ich habe Schlafdruck?!"
"Ja."
"Wo?"
"Was meinst du mit wo?"
"Na, irgendwo muss der Druck ja sein."
"Winnie…"
"Kann man den messen?"
"Nicht so, wie du dir das gerade vorstellst."
"Brauche ich ein Manometer?"
"Nein."
"Bei Druck braucht man ein Manometer."
"Winnie!"
"Bildung, Möbi. Die Leser wollen das wissen."
Er atmet tief durch.
"Schlafdruck bedeutet vereinfacht gesagt: Je länger du wach bist, desto stärker wird normalerweise dein Bedürfnis zu schlafen. Dabei spielt unter anderem ein Stoff namens Adenosin eine Rolle, der sich während des Wachseins im Gehirn zunehmend ansammelt."
…
Ich starre ihn an.
"Da sammelt sich auch noch Zeug an?!"
"Vereinfacht gesagt, ja."
Ich schreibe:
Schlafdruck – möglicherweise Gehirn voll.
"Nein!"
Ich streiche es wieder durch.
Man sollte wissenschaftlich korrekt bleiben.
"Und dann gibt es noch deine innere Uhr", fährt Möbi fort. "Sie hilft dabei, deinen Schlaf-Wach-Rhythmus an ungefähr 24 Stunden anzupassen. Licht und Dunkelheit sind dabei wichtige Zeitgeber."
Ich nicke.
Das klingt vernünftig.
Sehr vernünftig sogar.
"Und während du schläfst, verändert sich die Aktivität deines Gehirns. Anhand solcher Veränderungen kann man die unterschiedlichen Schlafstadien unterscheiden."
Ich starre ihn an.
"Mein Gehirn arbeitet nachts?"
"Natürlich."
"Auch wenn ich schlafe?"
"Ja."
"Unbeaufsichtigt?"
Möbi schliesst kurz die Augen.
"Ja, Winnie."
…
Das ist beunruhigend.
"Also gibt es doch einen Nachtmanager. Dieser hat sicher einen besseren Lohn."
"Nein."
"Doch."
"Nein."
"Du hast gerade gesagt, das alles wird reguliert."
"Durch biologische Prozesse."
"Wie heisst er?"
"Wer?"
"Der Prozess."
Möbi nimmt sein Buch wieder.
"Möbi!"
"Winnie, dein Körper braucht keinen Stundenplan von dir. Schlafstadien entstehen durch komplexe Vorgänge in Gehirn und Körper."
…
Automatisch.
Das ist interessant.
Sehr interessant.
Und gleichzeitig beunruhigend.
"Was passiert, wenn die Automatik ausfällt?"
"Sie fällt nicht einfach aus."
"Aber wenn doch?"
"Winnie…"
"Kann ich dann im Tiefschlaf stecken bleiben?"
"Nein."
"Oder REM überspringen?"
"Einzelne Schlafzyklen und ihre Zusammensetzung können unterschiedlich sein. Schlaf ist kein minutengenauer Fahrplan."
…
Ich starre ihn an.
Das hätte er nicht sagen dürfen.
"KEIN MINUTENGENAUER FAHRPLAN?!"
"Nein."
"Kann REM also Verspätung haben?"
"Nein."
"Was passiert, wenn der Tiefschlaf noch nicht fertig ist und REM schon kommt?"
"So funktioniert das nicht."
"Stau?"
"Nein."
"Umleitung?"
"Winnie!"
Also halten wir weiter fest:
MÖGLICHE STÖRUNGEN IM NACHTBETRIEB
Tiefschlaf verspätet
REM wartet
Leichtschlaf fällt aus
Phasenstau
Ersatzschlaf
Möbi sieht auf meinen Notizblock.
"Was ist Ersatzschlaf?"
"Keine Ahnung. Aber falls einer ausfällt, brauchen wir Ersatz."
Möbi steht auf.
"Ich gehe."
"Warte!"
"Nein."
"Nur noch eine Frage!"
Er bleibt stehen.
Ich glaube, Möbi hofft jedes Mal, dass es wirklich nur eine ist.
Das finde ich irgendwie süss.
"Was passiert, wenn ich nachts aufs WC muss?"
"Dann wachst du auf und gehst aufs WC."
…
Ich starre ihn an.
Manchmal macht Möbi es sich wirklich sehr einfach.
"Und meine Schlafphase?"
"Die ist dann unterbrochen."
…
Ich erstarrte.
"ICH HABE DEN FAHRPLAN ZERRISSEN?!"
"Nein. Kurze Wachphasen während der Nacht können völlig normal sein. Manche dauern nur so kurz, dass du dich am Morgen gar nicht daran erinnerst."
…
Das ist interessant.
Das wusste ich tatsächlich nicht.
Ich schreibe:
Kurzes Aufwachen: offenbar normal.
Möbi schaut mich an.
Ich ergänze:
Bei WC-Unterbruch: Anschlussverbindung beachten und prüfen ob man wirklich auf dem WC ist.
Möbi geht.
Kopfschüttelnd.
Jetzt bin ich wieder allein.
Mit einem Problem.
Ich muss nämlich irgendwie überprüfen, ob mein Nachtfahrplan funktioniert.
Und dafür gibt es nur eine vernünftige Möglichkeit.
Ich brauche einen Wecker.
Eigentlich mehrere.
Ich stelle den ersten auf 00.00 Uhr.
Den zweiten auf 01.30 Uhr.
Den dritten auf 03.00 Uhr.
Den vierten auf 04.30 Uhr.
Den fünften auf 06.00 Uhr.
Hilde kommt ins Schlafzimmer.
Sie betrachtet die fünf Wecker auf meinem Nachttisch.
"Winnie?"
"Ja?"
"Warum stehen da fünf Wecker?"
"Bildung für die Blogleser."
…
Hilde geht wieder.
Sie macht das in letzter Zeit öfter.
Hmmm....
Es ist nun erst 19.00 Uhr, aber ich gehe erst um 22.30 Uhr ins Bett.
Geht schon mal zum Nachtessen.
Ich melde mich dann wieder bei euch.
…
…
…
So, hallo! Bin wieder da.
Es ist 22.30 Uhr.
Zeit zum Schlafen. Ab ins Bett.
Betriebsaufnahme.
Ich schliesse die Augen.
Dann denke ich:
Bin ich schon im Leichtschlaf?
Nein.
Denn ich denke ja noch.
Oder denkt man im Leichtschlaf?
Mist.
Augen wieder auf.
Vielleicht muss ich den genauen Zeitpunkt des Einschlafens notieren.
Wo ist der Notizblock?
22.37 Uhr – noch wach.
Augen wieder zu.
…
22.41 Uhr – vermutlich ebenfalls noch wach.
…
22.46 Uhr – unsicher.
…
22.51 Uhr – kontrolliert: wach.
Das mit dem Einschlafen ist schwieriger als erwartet.
Logisch.
Ihr schaut mir ja alle zu!
Irgendwann schlafe ich tatsächlich ein.
Dann:
RIIIIIIIIING!
Ich schiesse hoch.
00.00 Uhr.
Ich greife nach meinem Notizblock.
Kontrolle 1.
Ich überlege.
Welche Schlafphase war das gerade?
Keine Ahnung.
Ich habe ja geschlafen.
Das ist alles, was ich weiss.
Also schreibe ich:
00.00 Uhr – Schlaf vorhanden. Phase unbekannt.
Sehr hilfreich.
Ich lege mich wieder hin.
Um 01.30 Uhr klingelt der nächste Wecker.
RIIIIIIIIING!
Ich fahre hoch.
"PHASE?!"
Hilde neben mir ebenfalls.
"Was?!"
"Welche Phase?"
"WAS FÜR EINE PHASE?!"
"Schlaf!"
Hilde zieht sich die Decke über den Kopf.
Ich notiere:
01.30 Uhr – Hilde vermutlich Schlafphase unterbrochen. Stimmung stinkig aber im Normalbereich!
Dann schlafe ich wieder ein.
03.00 Uhr.
RIIIIIIIIING!
Ich schiesse hoch.
Hilde auch.
"Winnie!"
"Forschung und Bildung für die Leser!"
"Wenn dieser Wecker noch einmal klingelt, erforschst du morgen die Schlafphasen in der Badewanne!"
Somit stelle ich die restlichen Wecker ab.
Wissenschaft und Bildung haben Grenzen.
Vor allem in einer Ehe.
Also dann, ihr Lieben:
"Gute Nacht!"
…
Am nächsten Morgen sitze ich ziemlich müde am Küchentisch.
Möbi kommt vorbei.
Er sieht mich an.
"Du siehst schrecklich aus."
"Danke."
"Hast du schlecht geschlafen?"
"Nein."
Ich nehme einen Schluck Schafuccino.
"Ich habe meinen Schlaf für die Leser kontrolliert."
Möbi hebt eine Augenbraue.
"Was hast du?"
"Alle 90 Minuten."
…
Er setzt sich.
Ganz langsam.
"Du hast dir alle 90 Minuten einen Wecker gestellt?"
"Ja."
"Um deinen Schlaf zu kontrollieren?"
"Genau."
"Und dafür bist du jedes Mal aufgewacht?"
"Natürlich. Sonst hätte ich ja nicht kontrollieren können, ob ich schlafe."
Möbi schweigt.
Sehr lange.
Dann sagt er:
"Winnie…"
"Ja?"
"Um zu kontrollieren, ob du richtig schläfst…"
"Ja?"
"…hast du deinen Schlaf immer wieder unterbrochen."
…
Ich halte meinen Schafuccino mitten in der Luft.
Oh.
Ich denke nach.
Das ist…
…ungünstig.
"Das heisst…"
"Ja."
"…meine Schlafkontrolle hat meinen Schlaf gestört?"
"Ja."
"Weil ich kontrollieren wollte, ob mein Schlaf ungestört funktioniert?"
"Ja."
…
Ich nehme meinen Notizblock.
Möbi greift danach.
"Nein."
"Aber—"
"Nein!"
Ich lege den Notizblock wieder hin.
Wir sitzen eine Weile schweigend da.
Dann frage ich:
"Möbi?"
Er seufzt.
"Ja?"
"Wenn ich nichts kontrolliere…"
"Ja."
"…macht mein Körper das alles trotzdem?"
"Ja."
"Die ganze Nacht?"
"Ja."
"Leichtschlaf?"
"Ja."
"Tiefschlaf?"
"Ja."
"REM?"
"Ja."
"Auch ohne meinen Nachtfahrplan?"
"Vor allem ohne deinen Nachtfahrplan."
…
Das sitzt.
Dann sagt Möbi:
"Und noch etwas solltest du deinen Bloglesern sagen."
Ich richte mich auf.
Ha!
Bildung!
"Was?"
"Schlafen bedeutet nicht, dass dein Körper und dein Gehirn einfach ausgeschaltet sind."
"Das wissen wir schon. Mein Gehirn arbeitet unbeaufsichtigt."
Möbi ignoriert das.
"Im Non-REM-Schlaf verändern sich zum Beispiel Herzschlag und Blutdruck. Im Tiefschlaf ist es besonders schwierig, jemanden aufzuwecken. Und im REM-Schlaf ist dein Gehirn sehr aktiv. Gleichzeitig sind grosse Teile deiner Muskulatur normalerweise stark gehemmt."
Ich starre ihn an.
"Moment."
"Was?"
"Mein Gehirn ist aktiv und meine Muskeln werden stillgelegt?"
"Vereinfacht gesagt."
…
Ich nehme langsam meinen Notizblock.
Möbi schaut mich an.
"Was schreibst du?"
NACHTSCHICHT
Gehirn: arbeitet
Herz: arbeitet
Atmung: arbeitet
Körper: reguliert
Winnie: liegt herum
…
Ich betrachte die Liste.
"Das sieht schlecht für mich aus."
"Warum?"
"Die anderen machen die ganze Arbeit."
Möbi lächelt.
Ich denke nach.
Dann schreibe ich darunter:
Nachtzuschlag prüfen.
"Winnie…"
"Das sind mehrere Stunden, Möbi."
Er nimmt mir den Bleistift weg.
Ich schaue auf meinen Notitzblock.
Auf meine Wecker.
Auf meinen Nachtfahrplan.
Auf:
Bei WC-Unterbruch: Anschlussverbindung beachten.
Und plötzlich kommt mir ein Gedanke.
Diesmal sogar ein vernünftiger.
Vielleicht gibt es Dinge, die funktionieren gerade deshalb so gut…
…weil ich mich nicht ständig einmische.
Mein Herz schlägt.
Ohne dass ich jeden Schlag anordne.
Ich atme.
Meistens, ohne darüber nachzudenken.
Mein Körper reguliert unzählige Dinge, von denen ich kaum etwas mitbekomme.
Und nachts arbeitet er weiter.
Während ich einfach daliege.
Ich dachte immer:
Schlafen bedeutet, nichts zu tun.
Aber eigentlich passiert dabei unglaublich viel.
Nur eben ohne mein Zutun.
…
Das ist irgendwie beruhigend.
Vielleicht ist Stillstand manchmal gar kein Stillstand.
Vielleicht passiert gerade dann etwas, wenn wir glauben, dass nichts passiert.
Und vielleicht muss man auch im Leben nicht alles ständig kontrollieren, überprüfen und festhalten.
Manches darf man einfach geschehen lassen.
Nicht weil es einem egal ist.
Sondern weil Vertrauen manchmal auch bedeutet:
Nicht dauernd dazwischenzufummeln.
Ich sehe Möbi an.
"Das war jetzt ziemlich philosophisch, oder?"
Er lächelt.
"Ein bisschen."
Ich nicke zufrieden.
Ha!
Heute gab es tatsächlich Bildung.
Ich habe gelernt, dass ein Schlafzyklus ungefähr 80 bis 100 Minuten dauern kann.
Dass wir mehrere davon pro Nacht durchlaufen.
Dass zu Beginn der Nacht normalerweise mehr Tiefschlaf vorkommt und später mehr REM-Schlaf.
Dass Schlafdruck und innere Uhr mitbestimmen, wann wir müde und wach werden.
Dass kurzes Aufwachen in der Nacht durchaus normal sein kann.
Und vor allem:
Dass Schlaf keineswegs bedeutet, dass in uns nichts passiert.
Ich schaue euch an.
Also bildlich.
Ihr seid ja nicht wirklich hier.
Hoffe ich.
"Na?"
…
"Habt ihr etwas gelernt?"
…
Gut.
Dann habe ich meinen Bildungsauftrag erfüllt.
Ich nehme meinen Schafuccino.
Dann stehe ich auf.
"Was machst du?", fragt Möbi.
"Ich gehe schlafen."
"Jetzt?"
"Ja."
"Es ist zehn Uhr morgens."
"Ich habe Forschungsrückstand."
Möbi will etwas sagen.
Tut es aber nicht.
Sehr vernünftig.
Ich gehe ins Schlafzimmer.
Lege mich ins Bett.
Keine Wecker.
Kein Nachtfahrplan.
Keine Kontrolle.
Ich schliesse die Augen.
Und denke:
Jetzt lasse ich meinen Körper einfach machen.
…
Das fühlt sich gut an.
Sehr sogar.
Endlich Ruhe.
…
Denk jetzt bitte nicht an den rosa Elefanten.
…
Ich öffne die Augen.
"Nicht dein Ernst."
…
Da ist er.
Rosa.
Mit Schlittschuhen.
Er versucht sich nun am vierfachen Rittberger.
Ich ziehe mir die Decke über den Kopf.
"DU ZAHLST AB NÄCHSTEN MONAT MIETE!"
…
Dann schlafe ich ein.
Glaube ich.
Vielleicht ist es auch Leichtschlaf.
Aber das muss jemand anderes kontrollieren.
Winnie out. 😁
PS: PS. Ach ja.....REM bedeutet übrigens "Rapid Eye Movement", also "schnelle Augenbewegungen". In dieser Schlafphase bewegen sich die Augen unter den geschlossenen Lidern immer wieder schnell hin und her.
Und jetzt kommt etwas ziemlich Spannendes:
Während des REM-Schlafs ist unser Gehirn teilweise sehr aktiv, gleichzeitig werden viele unserer willkürlich steuerbaren Muskeln stark gehemmt. Das nennt man REM-Atonie.
Vereinfacht gesagt verhindert das unter anderem, dass wir das, was wir gerade träumen, einfach körperlich mitmachen.
Das ist vermutlich auch besser so.
Stell dir vor, du träumst, du machst einen vierfachen Rittberger.
…
Neben Hilde.
Im Bett.
Um 03.17 Uhr.
Ich glaube, ab diesem Zeitpunkt müsste ich meine Schlafphasen tatsächlich in der Badewanne erforschen.
Und noch etwas:
Wir träumen zwar besonders häufig lebhaft im REM-Schlaf, aber nicht ausschliesslich dort. Träume können auch in anderen Schlafphasen auftreten.
So.
Jetzt wisst ihr sogar, was REM bedeutet.
Bildungsauftrag endgültig erfüllt.
Bitte verlassen Sie das WinnieVersum geordnet.
Der rosa Elefant bleibt hier.
Er schuldet mir noch Miete. 😁
