Liegestühle

…oder warum Liegestühle eigentlich Handtüchern gehören
Aso… aso… es isch eso…
…am dritten Ferientag wollte ich einmal gar nichts machen.
Also wirklich gar nichts.
Einfach auf einem Liegestuhl liegen.
Schafuccino trinken.
Den Wolken zuschauen.
Und darüber nachdenken, warum Wolken eigentlich nie viereckig sind.
Ich kam also früh zum Pool.
Sehr früh.
Zumindest dachte ich das.
Leider waren sämtliche Liegestühle bereits besetzt.
Nicht von Gästen.
Von Handtüchern.
Ein blaues.
Ein gestreiftes.
Ein grünes.
Ein Handtuch mit kleinen Flamingos.
...und oh, da war eines mit einer Schnecke, die Miauuu rief.
Wahrscheinlich war dies die Liege von Angi und Sascha, einem Pärchen welche das Zimmer neben mir haben.
Aber Gäste?
Keine.
Nicht ein einziger, abgesehen von einer Schafluencerin, die sich selbst fotografierte.
Ich wartete.
Nach einer halben Stunde fragte ich den Bademeister:
"Entschuldigen Sie… wo sind denn die Leute?"
"Beim Frühstück."
"Alle?"
"Die meisten."
Ich schaute wieder zu den Liegestühlen.
Da fiel mir plötzlich etwas auf.
Eigentlich machten ja gar nicht die Schafe Ferien.
Sondern ihre Handtücher.
Die lagen den ganzen Tag gemütlich in der Sonne…
…während ihre Besitzer irgendwo am Buffet Schlange standen.
Je länger ich darüber nachdachte…
…desto unfairer fand ich das.
Das Handtuch bekam den schönsten Platz.
Der Gast musste Kaffee holen.
Ich beobachtete ein besonders flauschiges Handtuch.
Es lag seit über zwei Stunden völlig entspannt auf derselben Liege.
Langsam begann ich es zu beneiden.
Da kam der Besitzer.
Er nahm das Handtuch.
Schüttelte es einmal aus.
Legte sich hin.
Und nach fünf Minuten ging er schon wieder baden.
Das Handtuch durfte bleiben.
Da war ich endgültig überzeugt.
Handtücher haben das schönere Ferienleben.
Auf dem Rückweg fragte mich der Kellner:
"Haben sie einen Liegestuhl gefunden?"
"Nein."
"Warum lächeln sie dann so?"
"Weil ich heute etwas Wichtiges gelernt habe."
"Und das wäre?"
"Falls ich jemals als Handtuch wiedergeboren werde… buche ich wieder dieses Hotel."
Winnie out.
