Hilde's 37 paar Socken

09.07.2026

....oder warum weniger manchmal mehr wäre...

Heute habe ich etwas entdeckt, das mein Weltbild erschüttert hat.

Es begann harmlos.

Ich wollte im Schlafzimmer nachsehen, ob ich dort noch einen Karottenkeks versteckt hatte.

Man muss Vorräte anlegen.

Man weiss nie, wann eine Notlage eintritt.

Zum Beispiel zwischen Frühstück und Mittagessen.

Während meiner Suche öffnete ich versehentlich die Sockenschublade von Hilde.

Und erstarrte.

"Aso ... aso ... es isch eso ..."

Ich zählte.

Einmal.

Zweimal.

Dann holte ich einen Taschenrechner.

Das Ergebnis blieb dasselbe.

37 Paar Socken.

Siebenunddreissig.

Nicht drei.

Nicht sieben.

Nicht zwölf.

Siebenunddreissig.

Ich rannte sofort zu Möbi.

"Katastrophe!"

Möbi blickte von seinem Notizblock auf.

"Welche Art von Katastrophe?"

"Socke!"

"Eine Socke?"

"Nein. Siebenunddreissig Paar!"

Möbi wirkte erstaunlich ruhig.

"Und?"

"UND? Möbi! Ein Schaf hat nur vier Füsse!"

"Das ist korrekt."

"Warum braucht Hilde dann siebenunddreissig Paar Socken?"

Möbi dachte kurz nach.

"Hast du sie gefragt?"

"Natürlich."

"Und?"

"Sie sagte: 'Weil ich sie schön finde.'"

"Das klingt plausibel."

"Nein, das klingt teuer!"

Möbi schloss seinen Notizblock.

Das bedeutete, dass nun wieder eine dieser Erklärungen kam, die mein Leben komplizierter machen würden.

"Winnie."

"Ja?"

"Wie viele Karottenkeksdosen besitzt du?"

"Das ist etwas völlig anderes."

"Antwort."

"Neun."

"Neun?"

"Vielleicht elf."

"Und warum?"

"Falls Besuch kommt."

"Wann war das letzte Mal Besuch da?"

"Vor drei Jahren."

"Aha."

Das gefiel mir nicht.

Gar nicht.

"Das zählt nicht."

"Warum nicht?"

"Weil Karottenkekse wichtig sind."

"Und für Hilde sind Socken wichtig."

Ich schwieg.

Leider hatte er einen Punkt.

"Menschen machen das ständig", sagte Möbi.

"Was?"

"Sie kaufen Lösungen für Probleme, die sie gar nicht haben."

"Erklär."

"Sie kaufen Dinge für irgendwann."

"Mhm."

"Für den Fall der Fälle."

"Mhm."

"Für eine mögliche Zukunft."

"Mhm."

"Und irgendwann besitzen sie mehr Möglichkeiten als tatsächliche Probleme."

Das klang verdächtig logisch.

"Also sind Hildes Socken gar nicht das eigentliche Thema?"

"Nein."

"Sondern?"

"Die Hoffnung, irgendwann genau die richtige Socke für genau den richtigen Moment zu besitzen."

Ich musste lachen.

"Das ist doch absurd."

In diesem Moment fiel mein Blick auf die elf Karottenkeksdosen in der Speisekammer.

Für Notfälle.

Natürlich.

Möbi bemerkte meinen Blick.

"Siehst du."

"Was?"

"Jeder sammelt irgendetwas."

"Hilde Socken."

"Du Karottenkekse."

"Und du?"

Möbi lächelte.

"Notizblöcke."

"Wie viele?"

Er schwieg.

Lange.

Verdächtig lange.

"Möbi?"

"Ja?"

"Wie viele?"

"Wir wechseln jetzt besser das Thema."

Und plötzlich hatte ich den Verdacht, dass die Sockenschublade von Hilde vielleicht gar nicht das grösste Lagerproblem im WinnieVersum war. 😄

Winnie out.

Share