Geschichten aus den Ferien

Aso… aso… es isch eso…
…eigentlich wollte ich nach den Ferien einfach weitermachen, als wäre nichts gewesen.
Wirklich.
Ich hatte mir sogar fest vorgenommen, kein einziges Wort über meine Ferien zu verlieren.
Das hielt ungefähr…
…bis gestern.
Da fragte mich Hilde:
"Und? Wie waren deine Ferien?"
Ich holte tief Luft.
Etwa zwei Stunden später fragte sie:
"Bist du bald fertig?"
"Ich bin noch beim zweiten Tag."
Da meinte Möbi nur trocken:
"Winnie… schreib es einfach auf. Das geht für alle schneller."
Eigentlich hat er recht.
Schliesslich wollt ihr ja bestimmt wissen, was ich in den Ferien erlebt habe.
Und glaubt mir…
…ich hätte mir deutlich erholsamere Ferien vorstellen können.
Denn kaum war ich angekommen…
…geriet ich bereits in Schwierigkeiten.
Nicht mit Menschen.
Nicht mit dem Hotel.
Nicht einmal mit Hildes Füssen.
Nein…
…mit der Getränkekarte.
…oder warum ich im Urlaub fast verdurstet wäre
Aso… aso… es isch eso…
…Ferien sind eigentlich etwas Schönes.
Man sitzt gemütlich auf einer Terrasse.
Die Sonne scheint.
Im Hintergrund rauscht das Meer.
Ein Kellner kommt.
"Was darf ich Ihnen bringen?"
Eine einfache Frage.
Dachte ich.
Er legte mir die Getränkekarte hin.
Sie hatte ungefähr 590 Seiten.
Vielleicht waren es auch nur sechs.
Aber sie fühlten sich an wie 590.
Da stand alles drin.
Mineralwasser.
Still.
Mit Kohlensäure.
Leicht mit Kohlensäure.
Ganz wenig Kohlensäure.
Fast keine Kohlensäure.
Wahrscheinlich gab es sogar Wasser mit Heimweh.
Dann kamen Limonaden.
Säfte.
Schaftails.
Mocktails.
Smoothies.
Eistees.
Frappés.
Shakes.
Kaffees.
Tees.
Und irgendein Getränk, dessen Name länger war als Möbis letzte wissenschaftliche Abhandlung.
Ich begann zu lesen.
Nach zehn Minuten wusste ich…
…dass ich gar nicht wusste, worauf ich eigentlich Durst hatte.
Da fragte mich der Kellner:
"Haben Sie sich entschieden?"
"Noch nicht."
"Brauchen Sie noch einen Moment?"
"Vermutlich zwei bis drei Werktage."
Er nickte freundlich.
Offenbar war ich nicht der Erste.
Ich las weiter.
Plötzlich fragte ich mich:
Ab wann ist ein Getränk eigentlich kein Getränk mehr?
Wenn ich einen Löffel brauche…
…ist es dann nicht schon fast eine Suppe?
Und wenn ein Getränk Sahne, Eis, Früchte, Schirmchen, Schokolade, Kekse und drei Erdbeeren enthält…
…trinkt man es dann noch…
…oder isst man es bereits?
Da wurde ich unruhig.
Was, wenn ich aus Versehen etwas bestellte, das gar kein Getränk war?
Der Kellner kam zurück.
"Haben Sie gewählt?"
"Darf ich Ihnen zuerst eine Frage stellen?"
"Natürlich."
"Wo endet ein Getränk… und wo beginnt ein Dessert?"
Er schaute mich an.
Dann auf die Getränkekarte.
Dann wieder mich.
Anschliessend nahm er die Karte langsam wieder an sich.
"Ich bringe Ihnen einfach ein Mineralwasser."
Ich nickte erleichtert.
Manchmal sind die einfachsten Entscheidungen…
…die durstlöschendsten.
Möbi meinte nur:
"Je grösser die Auswahl…
…desto schwieriger wird manchmal die Entscheidung."
Oder wie ich sagen würde:
Ich hatte riesigen Durst.
Nach der Getränkekarte brauchte ich zuerst einen Schafuccino. 😄
Winnie out.
