Gedanken über das Denken

23.09.2026
Winnie denkt über seine Gedanken nach und stellt sich einen rosa Elefanten beim Eiskunstlauf vor
Winnie und der rosa Elefant – Wer denkt hier eigentlich?

.....oder wer denkt hier eigentlich?

… und warum ich möglicherweise nicht allein in meinem Kopf wohne.

Aso… aso… es isch eso…

…ich habe heute Morgen gedacht.

Das mache ich manchmal.

Haha.....da gibt es gar nicht zu lachen...warte nur, ich lach dann, wenn du den Post zu ende gelesen hast. 

Also, ich denke und das dann auch noch meistens unbeabsichtigt.

Eigentlich wollte ich nur meinen Schafuccino trinken.

In meinem Kopf dachte ich:

Ich trinke jetzt meinen Schafuccino.

Und genau da fing das Problem an.

Denn…

…wer hatte das gerade gesagt?

Ich sah mich um.

Niemand da.

Hilde war im Badezimmer und schmierte mal wieder ihre Duftfüsschen ein. 

Pfüddi war irgendwo mit seinem Dreirad unterwegs.

Wahrscheinlich wieder um dem Nachbarsschäfchen Linda den Hof zu machen. 

Junge Liebe ist doch was schönes - seufz......

Möbi war zum Glück auch nicht da.

Ich war allein.

Trotzdem hatte gerade "jemand" ganz deutlich gesagt:

Ich trinke jetzt meinen Schafuccino.

In meinem Kopf.

Ich stellte die Tasse ab.

"Hallo?"

Nichts.

"Ist da jemand?"

Wieder nichts.

Ich wartete.

Dann kam:

Das ist aber jetzt schon ein bisschen blöd.

Da!!!!

Schon wieder!

"Wer bist du?"

Keine Antwort.

Stattdessen dachte ich:

Vielleicht bin das ich.

Aha.

Das machte die Sache nicht besser.

Denn wenn ich das bin…

…warum muss ich mir dann selber sagen, was ich gerade mache?

Ich weiss doch, dass ich Schafuccino trinke.

Ich bin dabei.

Ich beschloss, das Möbisch zu untersuchen.

Dazu brauchte ich aber einen Notizblock.

Auf diesen schrieb ich:

DAS DENKEN

Darunter:

Frage 1: Wer denkt?

Ich schrieb:

Ich.

Dann dachte ich:

Bist du sicher?

Ich legte den Bleistift weg.

Das ging ja gut los.

Wenn ich denke…

…und gleichzeitig in meinem Kopf jemand fragt, ob ich sicher bin…

…dann sind wir mindestens zwei.

Ich schrieb:

Mögliche Bewohner meines Kopfes:

1. Ich

2. Der, der fragt

Dann dachte ich:

Das ist völliger Blödsinn.

Ich schrieb:

3. Weiterer Bewohner: Der, der alles kritisiert

Langsam wurde es eng.

Ich nahm einen Karottenkeks.

Zur Beruhigung.

Dabei dachte ich:

Du solltest nicht so viele Karottenkekse essen.

Ich erstarrte.

"Entschuldigung?! Bitte was?"

Keine Antwort.

Ich biss demonstrativ in den Keks.

In meinem Kopf hörte ich: Das ist jetzt schon der dritte!

"Na und?"

Eigentlich der vierte.

Ich schaute auf die Dose.

Mist.

Der Typ hatte recht.

Das gefiel mir überhaupt nicht.

Ich schrieb:

4. Der Buchhalter

Dann kam mir ein Gedanke.

Wenn ich meine Gedanken hören kann…

…müsste ich sie eigentlich auch nicht hören können.

Also beschloss ich:

Ich denke jetzt einfach nichts.

Das kann ja nicht so schwierig sein.

Ich setzte mich gerade hin.

Schloss die Augen.

Und dachte:

Nichts.

Mist.

Nichts ist auch etwas.

Noch einmal.

Ich konzentrierte mich.

Nicht denken.

Verdammt.

Das war wieder ein Gedanke.

Also durfte ich auch nicht denken, dass ich nicht denken darf.

Ich versuchte es erneut.

Karottenkeks.

"NEIN!"

Warum Karottenkeks?!

Ich wollte an NICHTS denken!

Also versuchte ich, nicht an einen Karottenkeks zu denken.

Sofort erschien ein Karottenkeks in meinem Kopf.

Ein sehr grosser.

Mit Zuckerguss und der sah so lecker aus. 

"VERSCHWINDE!"

Der Karottenkeks blieb.

Jetzt drehte er sich.

Warum dreht der sich?!

Ich hatte ihm das nicht erlaubt!

Ich versuchte, ihn wegzudenken.

Daraufhin erschienen zwei.

Das Denken eskalierte.

"STOPP!"

Jetzt waren es drei.

Einer hatte einen Hut auf.

Ich weiss bis heute nicht warum.

Ich öffnete die Augen.

So.

Genug.

Offenbar konnte mein Denken Dinge denken, die ich gar nicht denken wollte.

Das war besorgniserregend.

Ich schrieb:

ZWISCHENERGEBNIS

Mein Denken hört nicht auf mich.

Dann hielt ich inne.

Wer hatte eigentlich entschieden, diesen Satz aufzuschreiben?

Ich?

Oder mein Denken?

Ich strich ihn wieder durch.

Dann dachte ich:

Jetzt hast du ihn völlig unnötig durchgestrichen.

"SCHNAUZE!"

In diesem Moment kam Hilde aus dem oberen Stock.

Sie blieb stehen.

"Mit wem redest du?"

"Mit meinem Denken."

Hilde sah mich an.

"Aha."

Dann ging sie wieder zurück.

Keine Rückfrage.

Nichts.

Ich fand das beunruhigender als eine Rückfrage.

Ich setzte meine Forschung fort.

Denn inzwischen hatte ich ein viel grösseres Problem entdeckt.

Manchmal denkt mein Denken nämlich Sachen, die ich überhaupt nicht denken will.

Zum Beispiel:

Was wäre, wenn du jetzt den Schafuccino über den Tisch schüttest?

Warum sollte ich das tun?!

Ich will meinen Schafuccino trinken!

Oder:

Was wäre, wenn du jetzt den Karottenkeks in die Tasse wirfst?

Nein!

Oder:

Was wäre, wenn du Möbi fragst, ob seine Brille eigentlich auch ohne ihn denken kann?

Okay.

Der war interessant.

Ich schrieb ihn auf.

Nur für später.

Dann kam plötzlich:

Was wäre, wenn du jetzt einfach laut "BLUMENKOHL" rufst?

Ich presste die Lippen fest zusammen.

Nein....Never....Nie und nimmer!

Auf keinen Fall.

Ich bin ein erwachsenes Schaf mit angefangenem philosophischen Philosophie-Studium.

Ich sitze friedlich an meinem Küchentisch.

Ich werde jetzt nicht grundlos—

"BLUMENKOHL!"…

Stille.

Ich sah mich um.

Niemand da.

Gut.

In diesem Moment kam Möbi um die Ecke.

Natürlich.

"Warum rufst du Blumenkohl?"

"Das war nicht ich."

"Wer dann?"

Ich zeigte auf meinen Kopf.

"Der da."

Möbi schaute verdutzt.

"Wer ist der da?"

"Das versuche ich seit einer halben Stunde herauszufinden."

Möbi setzte sich.

Fehler.

Ich schob ihm meinen Notizblock hin.

"Ich habe ein Problem."

"Das sehe ich.....und nur eines? Nun gut. 

"In meinem Kopf redet jemand."

Möbi sah mich an.

"Du meinst deine innere Stimme."

Ich blinzelte.

"Meine was?"

"Deine innere Stimme."

Ich sah entsetzt auf meinen Notizblock.

"DIE HAT SOGAR EINEN NAMEN?!"

"Nein, Winnie."

"Du hast gerade gesagt, sie heisst innere Stimme."

"Sie HEISST nicht so."

"Woher kennst du sie dann?"

Möbi atmete ein.

Sehr langsam.

Das macht er häufig, wenn wir miteinander reden.

Ich glaube, er hat Probleme mit der Sauerstoffversorgung.

"Winnie. Schafe können Gedanken sprachlich erleben, ohne tatsächlich eine Stimme zu hören."

Ich starrte ihn an.

"Noch einmal."

"Du hörst keine echte Stimme."

"Doch."

"Nein."

"Aber ich höre sie!"

"Innerlich."

"WO ist innerlich?"

Möbi zeigte auf meinen Kopf.

Ich sprang auf.

"ICH WUSSTE ES!"

"Was?"

"Da wohnt jemand und nebenbei....die zahlen keine Miete!"

"Nein!"

"Doch! Du hast gerade selber auf meinen Kopf gezeigt!"

"Winnie…"

Ich nahm meinen Notizblock.

5. Innere Stimme

Möbi rieb sich über die Stirn.

"Das bist immer noch nur du."

"Gut."

Ich zeigte auf Möbi.

"Dann denke jetzt bitte nicht an einen rosa Elefanten."

Möbi schwieg.

Ich grinste.

"Na?"

Möbi schwieg weiter.

"Ist er da?"

"Ja."

"HA!"

Ich sprang auf.

"SIEHST DU!"

"Was sehe ich?"

"Dein Denken hört auch nicht auf dich!"

Möbi wollte etwas sagen.

Ich hob die Hand.

"Moment, warte...."

"Ich musste das notieren."

WISSENSCHAFTLICHER DURCHBRUCH

Auch Möbi hat jemanden im Kopf.

"Das habe ich nicht gesagt."

"Deiner hat gerade einen rosa Elefanten."

"Winnie…"

"Meiner hat Karottenkekse."

"Das sind nur Gedanken."

"Genau."

"Keine Bewohner!"

"Aber das wissen wir noch nicht."

Möbi schloss die Augen.

Vermutlich trainierte er den rosa Elefanten, um dann im Zirkus auftreten zu können. 

Ich setzte mich wieder.

"Aber Möbi…"

"Ja?"

"Wenn ich meine Gedanken beobachten kann…"

"Ja."

"…dann kann ich doch nicht meine Gedanken sein."

Möbi sah mich an.

Ha!

Jetzt hatte ich ihn.

"Denn wenn ich sehe, was ich denke, muss es jemanden geben, der das Denken sieht."

Möbi schwieg.

Ich beugte mich vor.

"Und wenn derjenige, der das Denken sieht, auch denkt…"

Möbi hob einen Finger.

Zu spät.

"…dann müsste es wiederum jemanden geben, der sieht, wie derjenige denkt, der mein Denken beobachtet."

"Winnie."

"Und DER müsste ja auch denken."

"Winnie."

"Das bedeutet…"

Ich riss die Augen auf.

"…IN MEINEM KOPF IST EINE ENDLOSSCHLEIFE!"

"Nein."

"Doch!"

Ich blätterte hektisch auf eine neue Seite.

AKTUELLE BEWOHNERZAHL

Ich

Der Denker

Der Beobachter

Der Beobachter des Beobachters

Der Kritiker

Der Buchhalter

Die innere Stimme

Drei Karottenkekse

Ein Karottenkeks mit Hut

Möbis rosa Elefant

Möbi nahm mir den Notizblock weg.

"Der Elefant ist in MEINEM Kopf."

"Stimmt."

Ich strich ihn von meiner Liste.

Man sollte wissenschaftlich korrekt bleiben.

Dann wurde ich still.

Denn plötzlich kam mir ein wirklich schwieriger Gedanke.

"Möbi?"

"Ja?"

"Wer entscheidet eigentlich, welcher Gedanke als Nächstes kommt?"

Möbi sah mich an.

Ich wartete.

Er sagte nichts.

"Du weisst es nicht?!"

"So einfach lässt sich das nicht beantworten."

Aha!

Das ist Möbisch für:

Ich weiss es nicht.

Ich lehnte mich zufrieden zurück.

Zum ersten Mal an diesem Morgen fühlte ich mich besser. Auch, weil ich wusste, dass ich ab nächstem Monat Miete kassieren werde. 

Und offenbar hatte sogar Möbi keine vollständige Kontrolle darüber, was in seinem Kopf passierte.

Ich nahm meinen Schafuccino.

Dann dachte ich:

Jetzt bloss nicht an Blumen—

"BLUMENKOHL!!!"

Ich schoss vom Stuhl hoch.

"WELCHER BEWOHNER WAR DAS?!"

Möbi zuckte zusammen und stand auf.

"Ich gehe."

"Warte!"

"Nein."

"Eine letzte Frage!"

Er blieb stehen.

"Was?"

"Wenn ich denke, dass ich denke…"

Möbi schloss bereits die Augen.

"…und dann darüber nachdenke, warum ich denke, dass ich denke…"

"Nein."

"…denke dann ich über mein Denken nach…"

"Winnie."

"…oder denkt mein Denken über mich nach?"

Möbi ging.

Einfach so.

Ohne Antwort.

Ich sah ihm nach.

Dann setzte ich mich wieder an den Küchentisch.

Vor mir lag mein Notizblock.

Ich betrachtete meine Forschungsergebnisse.

Nach einer Weile schrieb ich:

FAZIT

Ich denke.

Darunter:

Glaube ich.

Dann:

Zumindest denkt das jemand.

Ich legte den Bleistift weg.

Das genügte für heute.

Ich nahm einen Karottenkeks.

Das ist jetzt aber wirklich der fünfte.

Ich schaute auf die Dose.

"Du kannst mich mal."

Ich nahm noch einen.

Man muss seinem Denken Grenzen setzen.

Winnie out. 😁

PS. Falls du nun nach dem Lesen einen Knopf in deiner "Denke" hast, dann schaue ich mal, ob ein Bewohner bei mir ein Entfesslungsspezialist ist, und schicke ihn dir. Ansonsten: Happy Entknoting!

PSPS. Da du nun ja auch einen rosa Elefanten im Kopf hast, vergiss auf keinen Fall, noch den Mietvertrag aufzusetzen.

PSPSPS. Ach ja.....ich lache dann später noch. Ich muss mich zuerst auch noch entknoten. 😁

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