Die neue Schweizer Nationalhymne

09.10.2026
Winnie mit Beethoven-Frisur und die Schnürpelfee komponieren eine neue Schweizer Nationalhymne.
Winnie und Schnürpelfee komponieren die Schweizer Nationalhymne

…oder warum Patriotismus manchmal besser ohne Winnie auskommt.

Aso… aso… es isch eso…

…die Schnürpelfee lernt jetzt Schweizerdeutsch.

Das habe ich ja schon erzählt.

Sie kommt aus Norwegen.

Spricht nur Finnisch.

Und lernt jetzt Schweizerdeutsch.

Und ausserdem komponiert sie Lieder. Sehr viele. Leider.

Und zum fliegen benutzt sie einen Ministaubsauger, der nicht saugen kann - logisch soweit!

Was eigentlich überhaupt kein Problem wäre…

…wenn sie nicht die Schnürpelfee wäre.

Heute stand sie jedenfalls plötzlich vor mir.

Mit einem Blatt Papier.

Und einem Bleistift.

Und einem Gesichtsausdruck, bei dem ich sofort wusste:

Da ist etwas passiert.

Oder es wird gleich etwas passieren.

"Mitä kuuluu, Winnie!"

"Hello Schnürpelfee."

Ich spreche mit ihr Englisch.

Weil sie aus Norwegen kommt.

Und Norwegen liegt bekanntlich in England.

Zumindest ungefähr.

Sie hielt mir das Blatt hin.

"Schwiizer Nationalhymne!"

Ich schaute sie an.

"What?"

"Neue Schwiizer Nationalhymne!"

Ich schaute auf das Blatt.

Dann wieder zu ihr.

"You want to make a new Swiss national anthem?"

Sie nickte begeistert.

"Joo!"

Das ist Finnisch.

Ich weiss nicht, was es bedeutet.

Aber wenn die Schnürpelfee dabei nickt, bedeutet es meistens Ja.....

.... oder Gurke.

Jedenfalls hatte sie beschlossen, eine neue Schweizer Nationalhymne zu komponieren.

Weil sie jetzt Schweizerdeutsch lernt.

Und offenbar der Meinung ist, dass sie nach ungefähr zwölf gelernten Wörtern sprachlich ausreichend qualifiziert dafür ist.

Ich fand das vernünftig.

Schliesslich habe ich auch schon Dinge gemacht, von denen ich keine Ahnung hatte.

Sehr viele sogar.

Also setzte ich mich neben sie. 

Ich fühlte mich wie Beethoven.

Oder war das nur, weil ich mich noch nicht gekämmt hatte?

Egal..... 

"Okay. We need typical Swiss words."

Sie nickte.

"Chuchichäschtli!"

"Very good!"

Ich schrieb:

Chuchichäschtli.

"What else?"

"Grüezi!"

Grüezi.

"Büsi!"

Büsi.

"Znüni!"

Znüni.

"Gipfeli!"

Gipfeli.

Jetzt wurde es richtig schweizerisch.

Ich dachte nach.

"Rösti."

Die Schnürpelfee strahlte.

"RÖSCHTI!"

"Exactly."

Dann fiel mir noch etwas ein.

"Fondue."

"FONDUU!"

"Cervelat."

"SERVELAA!"

"Velo."

"VELOOO!"

Wir hatten einen Lauf.

Nach fünf Minuten lagen vor uns:

Chuchichäschtli
Grüezi
Büsi
Znüni
Gipfeli
Rösti
Fondue
Cervelat
Velo
Bünzli
Rüebli
und…

…Migros.

Ich fand, damit hatten wir die Schweiz ziemlich vollständig erfasst.

Jetzt mussten wir daraus nur noch eine Hymne machen.

Das war schwieriger.

Eine Nationalhymne braucht schliesslich Würde.

Heimatgefühl.

Grösse.

Etwas, bei dem Menschen aufstehen, die Hand aufs Herz legen und feuchte Augen bekommen.

Ich dachte lange nach.

Dann hatte ich es.

"Start with Chuchichäschtli."

Die Schnürpelfee sah mich ehrfürchtig an.

Ich erklärte ihr, dass dieses Wort international praktisch niemand aussprechen kann.

Damit wäre schon in der ersten Zeile zweifelsfrei geklärt, wem dieses Land gehört.

Sie fand das genial.

Also schrieben wir:

Chuchichäschtli, Grüezi wohl,
Büsi sitzt beim Fondue voll. 

Die Migros findet das toll. 
So wird das Kässeli voll.

Ich hielt inne.

Irgendetwas stimmte noch nicht.

"We need mountains."

Eine Schweizer Nationalhymne ohne Berge geht nicht.

Die Schnürpelfee dachte nach.

"Knatterhorn!"

Öhh....du meinst Matterhorn?!

Natürlich!

Also:

Matterhorn und Rösti fein,
Cervelat muss au no sein.

Emmentaler hinterher,
freut den Coop dann umso mehr.

Jetzt bekam ich Gänsehaut.

Das war…

…gewaltig.

Beide Grossverteiler da und keiner benachteiligt.

Also machten wir weiter.

Znüni, Gipfeli, Rüebli, Velo,
Bünzli grüesst vom Gotthard: Hello!
Fondue, Büsi, Chuchichäschtli,
Migros, Coop und Röschtitäschli!

Wir verstummten.

Ich las es noch einmal.

Langsam.

Feierlich.

Die Schnürpelfee stand auf.

Legte eine Hand aufs Herz.

Ich ebenfalls.

Dann sangen wir.

Sehr laut.

Die Melodie hatten wir noch nicht.

Deshalb sang jeder eine andere.

Die Schnürpelfee irgendetwas Finnisches.

Ich etwas, das meiner Meinung nach schweizerisch klang.

Nach ungefähr zwanzig Sekunden kam Hilde herein.

Sie blieb in der Tür stehen.

Wir sangen weiter.

"FONDUU, BÜSI, CHUCHICHÄSCHTLIIII…!"

Hilde schaute mich an.

Dann die Schnürpelfee.

Dann das Blatt.

"Was macht ihr da?"

Ich hörte auf zu singen.

"Wir haben eine neue Schweizer Nationalhymne komponiert."

Stille.

Hilde nahm das Blatt.

Las.

Sehr lange.

Dann schaute sie mich an.

"Migros?"

"Sehr schweizerisch."

"Coop?"

"Auch."

"Cervelat?"

"Nationalgut."

"Büsi sitzt beim Fondue voll?"

Ich nickte.

"Das ist bildlich gemeint."

"Was bedeutet es bildlich?"

…

Das wusste ich nicht.

Hilde legte das Blatt wieder auf den Tisch.

"Und was macht ihr jetzt damit?"

Die Schnürpelfee riss beide Arme hoch.

"BUNDESRAAAT!"

…

Ich sah sie an.

Dann das Blatt.

Dann Hilde.

"She wants to send it to the Bundesrat."

Hilde nickte.

"Natürlich."

Und ging wieder.

Ich glaube…

…sie war beeindruckt.

Oder neidisch.

Sie hat schliesslich noch nie eine Nationalhymne geschrieben.

Die Schnürpelfee faltete das Blatt zusammen.

Ich holte einen Briefumschlag.

Und jetzt warten wir.

Vielleicht meldet sich der Bundesrat.

Vielleicht wird unsere Hymne angenommen.

Vielleicht werden wir eingeladen.

Vielleicht bekommen wir sogar einen Orden.

Oder Hausverbot und Landesverweis.

Wobei sie dann wieder nach England müsste. 

Man weiss es nicht.

Aber eines weiss ich:

Sollte die Schweiz irgendwann bei einem Fussballspiel aufstehen und gemeinsam

"Fondue, Büsi, Chuchichäschtli…"

singen…

…dann wisst ihr, wo es angefangen hat.

Bei der Schnürpelfee.

Und mir.

Vor allem bei der Schnürpelfee.

Ich habe eigentlich nur geholfen.

Winnie out. 

PS:
Hilde hat später gesagt, eine Nationalhymne müsse etwas über die Werte und die Geschichte eines Landes erzählen.

Das hätte sie auch früher sagen können.

Jetzt ist der Brief schon weg.

PPS:
Die Schnürpelfee lernt morgen das Wort "Vernehmlassungsverfahren".

Ich habe ein ungutes Gefühl.

PPPS:

Damit ihr nicht völlig unvorbereitet seid, falls unsere neue Nationalhymne vom Bundesrat angenommen wird, hier schon einmal der vollständige Liedtext zum Auswendiglernen.

Eine eigene Melodie gibt es noch nicht.

Die komponiert die Schnürpelfee erst morgen.

Bis dahin könnt ihr den Text ersatzweise zur Melodie von "My Heart Will Go On" von Céline Dion singen.

Das passt zwar überhaupt nicht.

Aber die Titanic hat schliesslich auch nicht überall hingepasst.

Also…

Hand aufs Herz.

Aufstehen.

Und bitte mit der nötigen Würde:

Die neue Schweizer Nationalhymne

Chuchichäschtli, Grüezi wohl,
Büsi sitzt beim Fondue voll.
Die Migros findet das toll,
so wird das Kässeli voll.

Matterhorn und Rösti fein,
Cervelat muss au no sein.
Emmentaler hinterher,
freut den Coop dann umso mehr.

Znüni, Gipfeli, Rüebli, Velo,
Bünzli grüesst vom Gotthard: Hello!
Fondue, Büsi, Chuchichäschtli,
Migros, Coop und Röschtitäschli!

Alpen, Kühe, Schnee und See,
irgendwo steht noch ein Reh.
Postauto fährt tut-tut-tut,
alles wird am Ende gut.

Schokolade, Käse, Zug,
davon gibt es nie genug.
Pünktlich muss er natürlich sein,
sonst ist es vermutlich keiner von uns sein.

…

Die letzte Zeile müssen wir eventuell noch überarbeiten.

Die Schnürpelfee sagt aber, sie sei grammatikalisch völlig korrekt.

Auf Finnisch.

Hinweis des Komponistenteams:

Beim letzten "CHUCHICHÄSCHTLIIII!" bitte das "i" möglichst laaaaaaaaange aushalten.

Wer dabei ohnmächtig wird, darf sich setzen.

🇨🇭

Winnie & Schnürpelfee
Eidgenössische Abteilung für musikalische Landesverteidigung

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