Die grosse Schafbuch-Messe

Liebes WinnieVersum...
Oder: Menge ist kein Zeichen für Erfolg
Hallo zusammen.
Heute muss ich über ein Ereignis berichten, das als kultureller Höhepunkt des Jahres geplant war.
Und als mittelschwere Enttäuschung endete.
Zumindest am Anfang.
Die grosse Idee
Vor drei Wochen hatte ich einen Geistesblitz.
Ich beschloss, eine Buchmesse zu veranstalten.
Eine richtige.
Mit Plakaten.
Mit Ständen.
Mit Autogrammen.
Und vielleicht sogar mit Karottenkeksen.
"Worum geht es denn?", fragte Hilde.
"Um meine Bücher natürlich."
"Aha."
"Und um Kultur."
"Aha."
"Und um Bildung."
"Aha."
"Und um mich."
"Jetzt sind wir bei der Wahrheit angekommen."
Die Vorbereitungen
Ich arbeitete tagelang.
Überall hingen Plakate.
📖 Winnie und Gott
📖 Glück & Pech. Nur Worte!
📖 57 Perspektivenwechsel
📖 Winnies Tagebuch
📖 Winnie analysiert die Liebe
📖 Kommunikation? Läuft bei mir! Also... manchmal!
Sogar Pfüddi half mit.
Naja...
Er klebte einen Werbezettel auf einen Baum.
Einen auf Hilde.
Und einen auf sich selbst.
Der grosse Tag
Endlich war es soweit.
Die Stände waren aufgebaut.
Die Bücher lagen bereit.
Die Karottenkekse ebenfalls.
Ich setzte mich hinter meinen Tisch.
Und wartete.
Niemand kam.
Die erste Stunde
Niemand.
Die zweite Stunde
Niemand.
Die dritte Stunde
Ein Vogel landete auf dem Tisch.
Zählte nicht.
Die Zweifel
Langsam wurde ich traurig.
Vielleicht wollte niemand meine Geschichten lesen.
Vielleicht interessierte sich niemand für meine Gedanken.
Vielleicht waren meine Bücher einfach nur Papier mit Wolle drauf.
Ich blickte auf die vielen Exemplare.
Plötzlich fühlte sich alles ein bisschen sinnlos an.
Unerwartete Besucher
Da hörte ich ein vertrautes Geräusch.
Grummel... nuggi... grummel...mmpff
Pfüddi kam angefahren.
Kurz darauf erschien Hilde.
Dann das Grinseschaf.
Das grinsend.
Wie immer.
Die Schnürpfelfee landete unsanft auf einem Plakat.
Und schliesslich kam Möbi.
Mit einem Notizblock.
Was sonst.
Die Buchmesse beginnt doch noch
"Wo sind die anderen Besucher?", fragte Hilde.
"Es gibt keine."
"Oh."
"Niemand ist gekommen."
Einen Moment lang wurde es still.
Dann nahm Pfüddi eines der Bücher.
Das Grinseschaf ebenfalls.
Die Schnürpfelfee setzte sich auf einen Stapel.
Hilde begann zu lesen.
Und sogar Möbi legte seinen Notizblock zur Seite.
Das allein war bereits ein historischer Moment.
Möbi sagt etwas Kluges
Später sass die ganze Runde zusammen.
"Winnie?"
"Ja?"
"Darf ich dir etwas sagen?"
"Wenn es nicht länger als vier Absätze dauert."
Möbi nickte.
"Viele Menschen glauben, der Wert eines Buches hänge davon ab, wie viele es lesen."
"Und?"
"Das stimmt nicht."
Ich schaute ihn an.
"Ein Buch verändert die Welt nicht, weil es von tausend Menschen gelesen wird."
"Sondern?"
"Weil es vielleicht einen einzigen Menschen zur richtigen Zeit erreicht."
Die Erkenntnis
Ich dachte darüber nach.
An all die Geschichten.
An all die Gedanken.
An all die Dinge, die man manchmal in die Welt hinaus schickt.
In der Hoffnung, dass sie irgendwo landen.
Vielleicht hat Möbi recht.
Vielleicht geht es gar nicht darum, wie viele Menschen etwas lesen.
Vielleicht geht es darum, ob sich jemand darin wiederfindet.
Auch wenn es nur einer ist.
Was ich gelernt habe
✅ Nicht alles muss gross sein, um wichtig zu sein.
✅ Manchmal reicht ein einziger Zuhörer.
✅ Erfolg lässt sich nicht immer zählen.
✅ Und Pfüddi klebt immer noch Werbezettel auf alles, was nicht schnell genug wegrennt.
Für alle, die Möbis Gedanken mögen
Möbi behauptet übrigens, dass jede Geschichte irgendwo ihren Leser findet.
Ich hoffe, er hat recht.
Falls nicht, bleibt mir immerhin noch das Grinseschaf.
Das liest zwar nie etwas.
Aber es grinst bei jedem Buchcover.
Und manchmal ist auch das schon genug.
Winnie out.
öh......noch was....
Weisst du...
Manchmal frage ich mich tatsächlich, ob Möbi recht hat.
Denn auch Gerry schickt seit Jahren Geschichten, Gedanken und Bücher in die Welt hinaus.
Und manchmal ist es gar nicht so einfach, wenn man nicht weiss, ob sie überhaupt jemanden erreichen.
Dann sitzt man da und denkt:
"Interessiert das überhaupt jemanden?"
Vielleicht kennt dieses Gefühl jeder, der etwas erschafft.
Ein Buch.
Ein Bild.
Ein Lied.
Oder einfach einen Gedanken.
Umso schöner ist es, wenn man irgendwann erfährt, dass irgendwo da draussen jemand gelächelt, nachgedacht oder sich verstanden gefühlt hat.
Vielleicht hatte Möbi also doch recht.
Vielleicht reicht manchmal tatsächlich schon ein einziger Mensch.
