Die Antworten, die nur DU geben kannst

…oder warum Menschen manchmal die wichtigsten Antworten mitnehmen.
Aso… aso… es isch eso…
…ich habe über Fragen nachgedacht.
Das mache ich manchmal.
Gut.
Eigentlich ziemlich oft.
Manche behaupten sogar, ich würde aus einer einzigen kleinen Frage innerhalb kürzester Zeit ungefähr 47 neue machen.
Das ist natürlich völliger Unsinn.
Es sind meistens mehr.
Aber diesmal bin ich bei einer Frage hängen geblieben.
Und die ist irgendwie anders.
Denn normalerweise glaube ich:
Wenn man etwas nicht weiss…
…muss man eben suchen.
Nachdenken.
Nachfragen.
Noch einmal nachdenken.
Möbi fragen.
Hilde fragen.
Und wenn gar nichts mehr hilft…
…einen Schafuccino trinken und von vorne anfangen.
Irgendwo muss die Antwort schliesslich sein.
Dachte ich.
Bis mir bei den Menschen etwas ziemlich Unangenehmes aufgefallen ist.
Es gibt Fragen…
…deren Antwort nur ein einziger Mensch kennt.
Zum Beispiel:
Was habe ich dir wirklich bedeutet?
Oder:
Warum hast du damals so gehandelt?
Warst du stolz auf mich?
Hast du manchmal an mich gedacht?
Habe ich dich verletzt?
Warum hast du dich nie gemeldet?
Hast du mich vermisst?
Hast du mich eigentlich gekannt?
Und jetzt kommt das Problem.
Solange dieser Mensch da ist…
…existiert irgendwo eine Antwort.
Vielleicht tief vergraben.
Vielleicht hinter Stolz.
Hinter Angst.
Hinter Verletzungen.
Hinter einem:
"Darüber müssen wir jetzt wirklich nicht reden."
Aber die Antwort existiert!
In diesem Menschen.
Und dann kann irgendwann etwas passieren.
Der Mensch ist nicht mehr da.
Und plötzlich ist die Antwort weg.
Einfach weg.
Nicht bei Google.
Nicht in einem Buch.
Nicht in irgendeiner Schublade.
Nicht einmal Möbi kann sie ausrechnen.
Der zurückbleibende Mensch kann danach suchen.
Jahrelang.
Er kann alte Gespräche auseinandernehmen.
Briefe lesen.
Fotos anschauen.
Erinnerungen drehen und wenden.
Er kann aus einem Satz von 1987 noch versuchen herauszufinden, was der andere damals wohl wirklich gemeint hat.
Aber irgendwann steht er vor einer Tür.
Und hinter dieser Tür wäre die Antwort.
Nur…
…es gibt niemanden mehr, der sie öffnen kann!
Ich finde das ziemlich traurig.
Vor allem weil ich die Menschen inzwischen ein bisschen beobachtet habe.
Menschen hinterlassen Testamente.
Ordner.
Passwörter.
Versicherungsunterlagen.
Bedienungsanleitungen.
Manche bewahren sogar die Garantiekarte eines Toasters auf, den sie seit 1994 nicht mehr besitzen.
Aber ausgerechnet die Antworten, die für einen anderen Menschen vielleicht einmal wirklich wichtig wären…
…lassen sie häufig einfach in ihrem Kopf.
Das muss man sich einmal vorstellen.
Da wird sorgfältig geregelt, wer irgendwann die Kaffeemaschine bekommt…
…aber nicht gesagt:
"Du warst mir wichtig."
Menschen denken offenbar häufig:
Das weiss der doch.
Oder:
Das sage ich irgendwann.
Oder:
Darüber reden wir später.
Oder:
Das ist doch nicht nötig.
Ich bin zwar nur ein Schaf…
…aber ich glaube, genau da liegt ein ziemlich grosser Irrtum.
Vielleicht weiss der andere es eben nicht!
Vielleicht fragt er sich seit Jahren genau das Gegenteil.
Und vielleicht wäre die Antwort für ihn wichtiger als alles, was irgendwann in irgendeinem Testament steht.
Das hat mich auf einen Gedanken gebracht.
Vielleicht besteht die Verantwortung eines Menschen im Leben nicht nur darin…
…Antworten auf die eigenen Fragen zu finden.
Vielleicht sollte ein Mensch auch darauf achten…
…anderen die Antworten zu geben, die nur er ihnen geben kann.
Solange er noch da ist.
Vielleicht sollte ein Vater seinem Kind sagen, dass er stolz auf es ist.
Nicht irgendwann.
Vielleicht sollte jemand erklären, warum er damals gegangen ist.
Vielleicht sollte jemand sagen:
"Du hast mir gefehlt."
Oder:
"Ich war verletzt."
Oder sogar:
"Ich konnte damals einfach nicht anders."
Vielleicht sollte ein Mensch einen anderen manchmal einfach fragen:
"Weisst du eigentlich, was du mir bedeutest?"
Und danach nicht automatisch davon ausgehen, dass die Antwort sowieso klar sei.
Denn das Merkwürdige an Menschen ist:
Sie verbringen unglaublich viel Zeit damit, Dinge nicht auszusprechen…
…und wundern sich später darüber, dass der andere sie nicht wusste.
Das muss eine menschliche Spezialfähigkeit sein.
Wir Schafe blöken wenigstens.
Da weiss jeder ungefähr, woran er ist.
Gut…
…bei Pfüddi ist es etwas schwieriger.
Der sagt meistens:
"Mmpff."
Aber selbst das ist immerhin eine Information.
Vielleicht sollten Menschen deshalb gar nicht versuchen, ein Leben ohne Fragezeichen zu hinterlassen.
Das schaffen sie sowieso nicht.
Aber vielleicht könnten sie darauf achten…
…keine Fragezeichen zurückzulassen, hinter die nur sie selbst ein Ausrufezeichen hätten setzen können.
Aso…
…falls irgendein Mensch das hier gerade liest und schon lange jemandem etwas sagen wollte:
Vielleicht wäre heute gar kein schlechter Tag dafür.
Nicht weil morgen zwingend etwas passieren muss.
Sondern weil heute die Antwort noch da ist.
In dir!
Und ich finde…
…es wäre ziemlich schade, wenn ausgerechnet die irgendwann verloren geht.
Winnie out.
PS: Ich wollte eigentlich nur kurz über Fragen nachdenken.
Jetzt denke ich schon wieder über die Menschen nach.
Die sind aber auch kompliziert.
PPS: Ich habe Hilde vorsichtshalber gesagt, dass sie mir wichtig ist.
Sie hat mich angeschaut und gesagt:
"Das weiss ich."
Typisch Hilde.
PPPS: Danach habe ich Pfüddi gesagt, dass er mir wichtig ist.
Pfüddi sagte:
"Mmpff."
Ich werte das als emotionale Zustimmung.
PPPPS: Und jetzt brauche ich einen Schafuccino.
Über Menschen nachdenken macht durstig.
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