Der ultimative Festtags-Masterplan

06.10.2026
Winnie aus dem WinnieVersum vor seinem chaotischen Festtags-Masterplan: Ein Weihnachtsbaum mit Schweizer Fahne, Ostereiern, Halloween-Kürbissen und Fasnachtsdekoration sowie Samichlaus und Osterhase mit vertauschten Festtagsaccessoires.
Winnie wollte nur perfekt vorbereitet sein – und hat kurzerhand alle Feste des Jahres miteinander vermischt. Weihnachten, Ostern, Fasnacht, Halloween und der 1. August treffen in seinem ultimativen Masterplan gleichzeitig aufeinander.

…oder warum der Osterhase dieses Jahr vermutlich Weihnachten kommt.

Aso… aso… es isch eso…

Ich muss meinen gestrigen Beitrag korrigieren.

Nicht vollständig.

Nur…

wesentlich.

Ich dachte nämlich, Weihnachten sei mein Problem.

Ist es nicht.

Weihnachten ist lediglich eines meiner Probleme.

Das habe ich von unserem Nachbarn erfahren.

Dem mit den Koi.

Ich traf ihn heute draussen.

Er ist übrigens auch so einer.

Lichter.

Dekoration.

Weihnachten.

Wenn irgendwo etwas nicht blinkt, leuchtet oder mit einem Verlängerungskabel verbunden werden kann, wird er nervös.

Im positiven Sinn.

Wir verstehen uns.

"Bist du schon bereit für Weihnachten?", fragte ich.

Er schaute mich an.

"Es ist Oktober."

Schon wieder dieser Satz.

Offenbar ist Oktober bei Schafen ein beliebtes Argument gegen Weihnachten.

Ich erzählte ihm von meinem Weihnachts-Generalplan.

73 Punkte.

Zwei Weihnachtsbäume.

Guetzli-Sicherheitsreserve.

Weihnachtsservietten-Notfallreserve gestrichen.

Er nickte anerkennend.

Seine Augen begannen zu leuchten.

Endlich jemand mit Sachverstand.

Dann sagte er:

"Und was machst du mit den anderen Festen?"

Ich erstarrte.

"Welche anderen Feste?"

Er begann aufzuzählen.

Ostern.

Fasnacht.

Martinsfest.

Silvester.

Neujahr.

Halloween.

Thanksgiving.

Geburtstage.

Ich schluckte.

"Langsam."

Er überlegte weiter.

"Valentinstag."

"Hör auf."

"Muttertag."

"Bitte."

"1. August."

"ICH HABE GESAGT, DU SOLLST AUFHÖREN!"

Er schaute mich etwas irritiert an.

Ich musste mich setzen.

Es gab ein Problem.

Ein sehr grosses.

Das Jahr war voller Feste.

Und niemand hatte mich informiert.

Das kann man so nicht lassen

Zurück zu Hause nahm ich meinen Kalender.

Ich blätterte durch.

Januar.

Februar.

März.

April.

Mai.

Überall irgendetwas.

Das war erschreckend.

Kaum hatte man Weihnachten überlebt, kam Silvester.

Kaum hatte man Silvester überlebt, war Neujahr.

Dann Fasnacht.

Dann Ostern.

Dann Muttertag.

Dann der 1. August.

Dann Halloween.

Dann Martinsfest.

Dann…

schon wieder Weihnachten!

Das war kein Kalender.

Das war ein Angriff.

Ich ging zu Hilde.

"Wir brauchen einen Masterplan."

"Nein."

"Du weisst noch gar nicht, wofür."

"Doch."

Ich wartete.

"Für was?"

"Irgendetwas, das anschliessend wieder im Wohnzimmer steht."

Manchmal ist diese Frau unheimlich.

MASTERPLAN FÜR SÄMTLICHE FESTE

Ich nahm ein grosses Blatt Papier.

Dann noch eines.

Dann vier weitere.

Dann Klebeband.

Der Küchentisch war zu klein.

Also ging ich auf den Boden.

Januar:

Neujahr.

Dekoration: Raketen, Glücksschweine, Kleeblätter.

Essen: Reste von Weihnachten.

Sehr effizient.

Februar:

Fasnacht.

Konfetti.

Kostüm.

Masken.

Valentinstag.

Herzen.

Blumen.

Ich hielt inne.

Das konnte man kombinieren.

Ich schrieb:

Fasnachtskostüm mit Herzen.

Perfekt.

Damit hatte ich bereits zwei Feste optimiert.

Ich war gut.

Sehr gut.

März/April:

Ostern.

Hasen.

Eier.

Karotten.

Das war einfach.

Karotten haben wir sowieso.

August:

  1. August.

Schweizer Fahnen.

Lampions.

Feuerwerk.

Zu Feuerwerk: Wenn wegen Trockenheit abgesagt, genug Schafe organisieren die um 22.00 Uhr BUMM rufen können. 

Ich überlegte.

Lampions leuchten.

Weihnachtslichter leuchten ebenfalls.

SYNERGIE!

Ich verband Weihnachten und den 1. August mit einem roten Pfeil.

Dann Ostern mit Weihnachten.

Karottenkekse funktionieren schliesslich ganzjährig.

Langsam entstand ein System.

Möbi kam vorbei

Das war ungünstig.

Professoren und Masterpläne vertragen sich schlecht.

Er blieb im Wohnzimmer stehen.

Auf dem Boden lagen inzwischen zwölf Blätter.

Dazwischen rote, grüne und blaue Linien.

An der Wand hing ein Jahreskalender.

Auf dem Sofa lagen Osterhasen.

Auf dem Tisch Weihnachtskugeln.

Neben dem Fernseher stand ein Kürbis.

Und ich sass mittendrin.

"Was ist das?"

"Mastermind, also ich macht Master Organisation, also das da!"

Möbi betrachtete die Wand.

"Warum führt eine Linie vom Osterhasen zum Weihnachtsbaum?"

"Effizienz."

"Und warum steht bei Weihnachten 'Eier färben'?"

Ich schaute auf meinen Plan.

Tatsächlich.

Das musste verrutscht sein.

Ich strich es durch.

"Danke."

Möbi zeigte auf eine andere Stelle.

"Und warum steht bei Ostern 'Samichlaus bestellen'?"

Ich schaute.

Mist.

"Das ist nur vorläufig." 

Zudem, der Samichlaus hat einen langen Anreiseweg, den es zu berücksichtigen gilt. 

"Winnie…"

"Was denn? Ich habe zwölf Monate gleichzeitig im Kopf!"

Das müsste er doch berücksichtigen.

Dann wurde es kompliziert

Je länger ich plante, desto mehr stellte ich fest:

Feste haben erschreckend viele Gemeinsamkeiten.

Man dekoriert.

Man isst.

Man schenkt etwas.

Man lädt Schafe ein.

Man hängt Dinge auf.

Man stellt Dinge hin.

Man zieht manchmal seltsame Kleidung an.

Eigentlich könnte man das alles zusammenlegen.

Das wäre wesentlich effizienter.

Also entwickelte ich:

DAS UNIVERSALFEST

Weihnachtsbaum.

Darunter Ostereier.

Oben eine Schweizer Fahne.

Am Baum Halloween-Kürbisse.

Dazwischen Fasnachtsgirlanden.

Der Samichlaus bekommt Hasenohren.

Der Osterhase eine Weihnachtsmütze.

Pfüddi geht als Engel verkleidet an die Fasnacht.

An Thanksgiving gibt es Weihnachtsguetzli.

Zum Valentinstag verschenkt man 1.-August-Raketen.

Und an Silvester…

Ich hielt inne.

Was macht man an Silvester?

Feuerwerk.

Das hatten wir bereits am 1. August.

Perfekt!

Noch eine Synergie.

Ich war begeistert.

Das System begann sich selbst zu optimieren.

Hilde sah das anders

Sie kam ins Wohnzimmer.

Blieb stehen.

Sagte nichts.

Das ist bei Hilde gefährlicher als Reden.

Neben ihr stand ein Osterhase mit Weihnachtsmütze.

Auf seinem Arm hing eine Fasnachtsgirlande.

Auf dem Weihnachtsbaum steckte oben eine Schweizer Fahne.

Darunter lagen Kürbisse.

Auf dem Tisch stand ein Adventskranz mit vier Ostereiern.

Ich lächelte.

"Na?"

Hilde schaute sich um.

"Was…"

Pause.

"…ist…"

Noch eine Pause.

"…das?"

"Das Jahr."

Sie schaute mich an.

"Das Jahr?"

"Komplett."

Ich zeigte auf meinen Masterplan.

"Alle Feste. Organisiert. Optimiert. Teilweise zusammengelegt."

Ich nahm den Osterhasen.

"Der hier macht dieses Jahr Weihnachten."

"Warum?"

Ich schaute auf meinen Plan.

Gute Frage.

Ich suchte die entsprechende Linie.

Sie begann bei Ostern.

Ging zu Weihnachten.

Von dort zum 1. August.

Dann zu Halloween.

Zurück zu Fasnacht.

Und endete bei:

Muttertag.

Hmm....

"Wegen einer organisatorischen Überschneidung."

Ich hatte ein Problem

Am Abend sass ich zwischen Weihnachten, Ostern, Halloween, Fasnacht und dem 1. August.

Ich wusste nicht mehr, welches Fest als Nächstes kam.

Also schaute ich auf meinen Masterplan.

Das half nicht.

Laut Masterplan sollte ich morgen:

Ostereier färben,

den Weihnachtsbaum reservieren,

ein Fasnachtskostüm kaufen,

Kürbisse aushöhlen,

Raketen bestellen,

Valentinskarten schreiben

und einen Samichlaus buchen.

Ich schaute auf den Kalender.

6. Oktober.

Nichts davon war morgen.

Mein Masterplan hatte sämtliche Feste organisiert.

Nur leider…

in der falschen Reihenfolge.

Möbi setzte sich neben mich.

"Vielleicht kann man ein Jahr nicht vollständig vorausplanen."

"Warum nicht?"

"Weil du dann ständig mit dem beschäftigt bist, was irgendwann kommt."

Ich schaute auf den Osterhasen mit Weihnachtsmütze.

Das Argument hatte etwas.

"Und während du alles vorbereitest", sagte Möbi, "verpasst du vielleicht den Tag, der gerade ist."

Ich schaute wieder auf den Kalender.

6.Oktober.

Eigentlich ein schöner Tag.

Keine Geschenke.

Keine Ostereier.

Keine Raketen.

Keine Kürbisse.

Keine Weihnachtsservietten.

Einfach…

Dienstag.

Ich atmete auf.

Dann erschrak ich.

"Gibt es für Dienstage ein Dienstags-Fest?"

Möbi schloss die Augen.

Was ich gelernt habe

Vielleicht muss tatsächlich nicht alles vorbereitet sein.

Vielleicht darf Ostern erst Ostern werden, wenn Ostern kommt.

Weihnachten Weihnachten.

Fasnacht Fasnacht.

Und ein ganz normaler Dienstag…

ein ganz normaler Dienstag.

Wir verbringen ziemlich viel Zeit damit, Dinge vorzubereiten, die noch gar nicht da sind.

Und wenn sie dann endlich da sind, bereiten wir bereits das Nächste vor.

Vielleicht sollte man deshalb nicht das ganze Jahr organisieren.

Vielleicht sollte man manchmal einfach schauen:

Was ist eigentlich heute?

Ich habe meinen Masterplan deshalb beendet.

Endgültig.

Er liegt jetzt zusammengerollt im Keller.

Neben den sieben Weihnachtskartons.

Dem Ersatzweihnachtsbaum.

Drei Osterhasen.

Zwei Kürbissen.

Und 48 Rollen Geschenkpapier.

Wobei....48...könnte knapp werden. 

Zum Glück hat die Nachbarin auch noch welche!

Diese in der Schachtel mit der Schnecke die Miauu macht. 

Schnecken sind auch nicht mehr, das was sie mal waren.... 

Aber.....Ich bin erleichtert.

Allerdings habe ich noch ein grundsätzliches Problem.

Auf der Erde gibt es einfach zu viele Feste.

Deshalb habe ich beschlossen:

Ich ziehe auf den Mond.

Dort gibt es nichts zu organisieren.

Keine Weihnachten.

Keine Ostern.

Keine Fasnacht.

Keine Geburtstage.

Keine Lichterketten.

Einfach Ruhe.

Ich habe Möbi gefragt, wann die nächste Rakete fliegt.

Er meinte:

"Winnie, du weisst schon, dass du für einen Aufenthalt auf dem Mond ziemlich viel vorbereiten müsstest?"

Ich schaute ihn an.

"Was denn?"

"Raumanzug. Sauerstoff. Nahrung. Training. Transport. Unterkunft. Rückflug. Sicherheitskonzept…"

"Hör auf."

"Medizinische Vorbereitung…"

"MÖBI!"

"Versicherungen…"

Mist.

Ich brauche einen Masterplan.

Winnie out.

PS. Den Osterhasen mit der Weihnachtsmütze lasse ich übrigens stehen.

Hilde sagt, das sehe bescheuert aus.

Aber gemäss meinem Masterplan ist morgen Heiligabend.

Und ich möchte diesmal vorbereitet sein.

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