Der Käse ist aus....

30.07.2026
Winnie und Hilde stehen vor Kühlschrank und Tafel, daneben Schaf Möbi und Pfüddi, und Käse-Statistik in der Küche.
Winnie, der Käse ist aus...

…oder warum manche Katastrophen einfach nicht zu unterschätzen sind.

Aso… aso… es isch eso…

…gestern passierte etwas, worüber ich eigentlich gar nicht sprechen möchte.

Aber ich muss.

Weil Schweigen manchmal noch schlimmer ist.

Ich öffnete den Kühlschrank.

Schaute hinein.

Schaute nochmals hinein.

Schloss ihn.

Öffnete ihn wieder.

Wunder solls ja geben! 

Vielleicht hat sich der Käse inzwischen wieder erholt.

Hatte er nicht.

Der Käse war aus.

Einfach…

…weg.

Ich stand bestimmt drei Minuten regungslos vor dem Kühlschrank.

Dann sagte ich ganz leise:

"Hilde…"

Keine Antwort.

Etwas lauter.

"Hilde!"

Sie kam in die Küche.

Ich zeigte wortlos in den Kühlschrank.

Sie schaute hinein.

Dann schaute sie mich an.

Dann wieder in den Kühlschrank.

Ich glaube, in diesem Moment  eine traurige Geige spielen zu hören.

Die Geiger von der Titanic haben bereits mit den ersten Takten begonnen.

Heisst...

...die Titanic geht unter und ich fragte mich schon wieder, warum Jack damals nicht einfach auf diese blöde Türe gestiegen ist.

Das ist übrigens genau dieselbe Frage wie:

"Warum konnte uns der Käse ausgehen?"

"Winnie…"

flüsterte sie.

"Sag mir bitte, dass das ein Scherz ist."

"Ich wünschte, es wäre einer."

Ich schaute auf den Kalender.

"Mist..."

"Es ist Juli."

"Also nicht der 1. April." 

Plötzlich wurde es still.

So still, dass man sogar Pfüddi an seinem Nuggi saugen hörte.

Selbst Möbi nahm die Brille ab.

"Das ist statistisch äusserst ungünstig."

meinte er.

"Wie ungünstig?"

fragte ich.

"Etwa gleich schlimm, wie wenn Pfüddi seinen Nuggi verliert."

Pfüddi schaute erschrocken auf seinen Nuggi.

Packte ihn mit beiden Händen.

Und steckte ihn sicherheitshalber noch tiefer in den Mund.

"Mmpff!"

Wir beschlossen sofort zu handeln.

Ich zog Schuhe an.

Hilde hatte ihre Jacke bereits an, bevor ich überhaupt wusste, wo meine Schuhe waren.

Wir fuhren los.

Der erste Laden…

kein Käse.

Der zweite…

geschlossen.

Der dritte…

nur veganer Käse und Schafskäse! 

Hallloooo...

...ich bin doch kein Kannibale!

Und ausserdem auch kein Hase!

Hilde schaute mich an.

Ich schaute zurück.

Wir beschlossen wortlos weiterzufahren.

So verzweifelt waren wir dann doch noch nicht.

Endlich…

im vierten Laden.

Da lag er.

Wunderschön.

Goldgelb und duftend wie Hilde's Füsse.

Eine ganze Kühltheke voller Käse.

Ich habe noch nie jemanden so schnell einen Einkaufswagen schieben sehen wie Hilde.

Ich glaube, sie überholte unterwegs sogar eine ältere Dame…

…mit Rollator.

Zu Hause legte Hilde den Käse vorsichtig in den Kühlschrank.

Sie schloss die Tür.

Atmete tief durch.

Und lächelte.

Der Frieden war zurück.

PS:

Ich habe vorsichtshalber noch sechs Stück Käse gekauft und im Keller versteckt. 

Nicht weil wir so viel essen.

Sondern weil ich heute Nacht ruhig schlafen möchte.

Winnie out. 

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