Der grösste Geburtstag aller Zeiten

…oder warum Planung manchmal länger dauert als die Feier.
Aso… aso… es isch eso…
…heute ist der 25.7.26 und Gerry hat am 29.7.26 schon wieder Geburtstag. Gerry hat doch tatsächlich behauptet, der Geburtstag sei für ihn selber nichts besonderes. - Hallo!!!!!
"Das ist für mich ein Tag wie jeder andere", meinte er.
Ein Tag wie jeder andere?
Also wirklich!
Geburtstag hat man schliesslich nur einmal im Jahr.
Gut…
…bei den meisten jedenfalls – ich habe versucht mir drei Geburtstage im Jahr zu geben. Hat nicht geklappt, Hilde ist mir auf die Schliche gekommen…..warum weiss ich immer noch nicht!
Trotzdem! Für mich war sofort klar:
Das geht gar nicht!
Wenn Gerry schon seinen Geburtstag nicht feiern will…
…dann feiern wir ihn eben trotzdem!
Ich setzte mich also an meinen Küchentisch.
Mit einem Schafuccino.
Einem Karottenkeks.
Und einem leeren Blatt Papier.
Ganz oben schrieb ich:
Operation Überraschungsparty
Nach fünf Minuten hatte ich bereits 47 Ideen.
Nach einer Stunde waren es 193.
Nach zwei Stunden brauchte ich ein zweites Blatt.
Nach drei Stunden ein drittes.
Nach vier Stunden einen zweiten Schafuccino.
Nach fünf Stunden noch einen.
Sicherheitshalber und denken kostet ja Energie.
Mittlerweile war auch Möbi dazugestossen.
"Vielleicht solltest du langsam mit der eigentlichen Planung beginnen."
"Das ist doch die Planung!"
Als Erstes musste natürlich das Festzelt geplant werden.
Es sollte gross genug sein.
Falls alle kämen.
Oder noch mehr.
Und ich stellte eine auch eine Liste zusammen, für die Leute die nicht eingeladen werden sollten. – Sicher ist sicher!
Danach musste die Musik organisiert werden.
Ich stellte eine Playlist mit 9999 Liedern zusammen. 10000 erschienen mir dann doch ein wenig übertrieben.
Man soll ja Auswahl haben.
Zur Sicherheit machte ich noch eine zweite Playlist.
Falls jemand die erste nicht mag.
Dann kam das Essen.
Ich schrieb auf:
- Karottensuppe
- Karottenpizza
- Karottenlasagne
- Karottenfondue
- Karotten-Tiramisu
- Karottenkuchen
- Karottenchips
- Karottenmousse
Möbi schaute auf meine Liste.
"Findest du nicht, dass das etwas einseitig ist?"
Ich nickte.
"Du hast recht."
Also ergänzte ich noch:
Karottenkekse.
Jetzt war das Menü ausgewogen.
Als Nächstes mussten die Gäste eingeladen werden.
Ich schrieb Einladungen.
Sehr viele Einladungen.
An alle Schafe.
An alle Kühe. (Wichtig: Keine Glocken mitbringen, Gerry stören die beim schlafen)
An alle Hühner.
An alle Eichhörnchen.
An alle Regenwürmer.
Sogar die Schnecken bekamen eine Einladung – diese muss aber mit Express-Marken versehen werden.
Die brauchen schliesslich etwas länger und müssen sich früher auf den Weg machen.
Zwischendurch fragte Hilde:
"Wann hat Gerry eigentlich Geburtstag?"
"Am 29. Juli."
"Und welches Datum haben wir heute?"
"Keine Ahnung."
"Warum nicht?"
"Weil ich am Planen bin."
"Ach so."
Die Schnürpelfee kümmerte sich inzwischen um das Feuerwerk.
Leider explodierte bereits der erste Prototyp.
Seitdem tragen drei Wolken eine Dauerlocke.
Ich bestellte noch Girlanden.
300 Luftballons.
Eine Hüpfburg.
Dann fiel mir ein, dass vielleicht zwei Hüpfburgen besser wären.
Dann dachte ich:
Was ist, wenn Gerry gar nicht hüpfen will?
Also bestellte ich sicherheitshalber noch eine Sitzburg.
Möbi starrte mich an.
"Eine… was?"
"Eine Sitzburg."
"Die gibt es doch gar nicht."
"Noch nicht."
Danach musste natürlich noch ein Ablaufplan her.
Also machte ich einen Ablaufplan.
Für den Ablaufplan.
Und einen Reserve-Ablaufplan.
Falls mit dem ersten Ablaufplan etwas schieflaufen sollte.
Organisation ist das halbe Leben. Das andere halbe braucht man, um die Organisation zu organisieren.
Dann fiel mir ein, dass man den Reserve-Ablaufplan ja ebenfalls planen muss.
Also machte ich einen Ablaufplan…
…für den Reserve-Ablaufplan.
Möbi rieb sich die Stirn.
"Ich glaube, du planst langsam zu viel."
"Unsinn."
"Warum?"
"Weil ich die Planung dafür noch gar nicht abgeschlossen habe."
Als endlich alles fertig war, lehnte ich mich zufrieden zurück.
"Geschafft!"
Möbi schaute auf seinen Kalender.
Dann auf mich.
Dann wieder auf seinen Kalender.
"Winnie…"
"Ja?"
"Heute ist der 30. Juli."
Es wurde still.
Sehr still.
Sogar die Grillen hörten auf zu zirpen.
Ich schaute auf den Kalender.
Dann auf Gerry – und dieser lachte.
Dann wieder auf den Kalender.
"Aso… aso… es isch eso…"
"…dann hat Gerry dieses Jahr halt doch seinen Willen bekommen."
Ich überlegte kurz.
Dann grinste ich.
Richtig breit.
Ich nahm meinen Planungsordner in die Hand.
Er hatte mittlerweile ungefähr die Grösse eines Telefonbuchs.
"Macht nichts."
"Warum?", fragte Möbi.
"Für den 29. Juli 2027 muss ich ja praktisch nichts mehr organisieren."
Möbi nickte.
"Das ist… erstaunlich effizient."
Ich überlegte kurz.
"Eigentlich brauche ich nur noch Schafuccino."
"Warum?"
"Zum Weiterplanen."
P.S.
Gerry behauptet übrigens bis heute, seine Geburtstage seien Tage wie jeder andere.
Ich finde, da hat er vollkommen recht.
Man muss sie einfach ungefähr nur ein Jahr lang vorbereiten und somit hat er vollkommen recht. Arbeit sieht anders aus!
Darum habe ich vorsichtshalber bereits mit der Planung für den 29. Juli 2027 begonnen..
Möbi meinte zwar, das sei völlig übertrieben.
Deshalb habe ich sicherheitshalber noch einen zweiten Planungsordner angelegt, für den Fall, dass ich bei der Planung für das 2026 das nun im 2027 stattfinden soll und als Mustervorlage für 2028 und 2029 (für 2029 aber mit Korrekturen) dient, etwas vergessen oder ergänzen will. Ähhh…."Möbi, welche Jahr haben wir gerade?!
Möbi schaute auf seinen Kalender.
Dann auf mich.
Dann wieder auf den Kalender.
"Kommt darauf an... welchen deiner Planungsordner ich nehme."
Winnie out und happy Burzeltag 🎂🐑
