Das grosse Schnaufen

Aus Winnies Bücherregal
Oder: Warum Schnaufen völlig unterschätzt wird
Heute gefunden zwischen einem Karottenkeks, einer Socke und einer Beschwerde von Hilde:
"Das grosse Schnaufen"
(Aus Winnies Tagebuch)
Winnie meint dazu:
Manche Menschen meditieren.
Andere machen Yoga.
Wieder andere gehen spazieren.
Ich schnaufe.
Und das erstaunlich oft und viel!
"Winnie", sagte Hilde neulich, "warum schnaufst du eigentlich ständig?"
Ich blickte sie erstaunt an.
"Wie meinst du das?"
"Na so."
Sie machte ein Geräusch nach:
"Haaaaaaach..."
"Das ist kein Schnaufen", erklärte ich.
"Nicht?"
"Nein."
"Was war es dann?"
"Ein kleiner Seufzer."
Möbi sass zufällig in der Nähe.
Das tut er erstaunlich oft.
"Streng genommen", sagte er, "ist Schnaufen die hörbare Verarbeitung einer emotionalen oder körperlichen Belastungssituation."
Ich starrte ihn an.
"Was hat er gesagt?", fragte Hilde.
"Keine Ahnung", sagte ich.
"Aber es klang wie immer wichtig."
Also erklärte ich es selbst.
"Schnaufen ist wichtig."
"Warum?"
"Weil man nicht gleichzeitig schnaufen und tot sein kann."
Hilde starrte mich an.
"Das ist deine Erklärung?"
"Ja."
"Mehr kommt da nicht?"
"Nein."
"Das ist erschreckend wenig."
"Und trotzdem habe ich recht."
Hilde überlegte einen Moment.
Leider.
Denn wenn Hilde überlegt, kommen meistens weitere Fragen.
"Und warum schnaufst du auch, wenn du vom Sofa aufstehst?"
"Das ist Vorbereitung."
"Vorbereitung auf was?"
"Keine Ahnung."
"Wie keine Ahnung?"
"Mein Körper weiss oft früher als ich, dass gleich etwas Anstrengendes kommt."
Möbi schrieb etwas in sein Notizbuch.
"Interessant."
"Was denn?"
"Offenbar unterscheidet Winnie zwischen Denk-Schnaufen, Sofa-Schnaufen, Vorbereitungs-Schnaufen und Sicherheits-Schnaufen."
Ich nickte stolz.
Endlich verstand mich jemand.
Was ich gelernt habe
Schnaufen ist ein erstaunlich zuverlässiges Lebenszeichen.
Nicht alles muss kompliziert erklärt werden.
Möbi kann aus jedem Geräusch eine Wissenschaft machen.
Und manchmal reicht eine gute Portion Luft, um weiterzumachen.
Schnaufen löst nicht jedes Problem.
Aber ohne Schnaufen wären viele Probleme deutlich anstrengender.
Und wer nie schnauft, hat vermutlich ein grösseres Problem..... merkt es aber nicht mehr!
Übrigens:
Falls ihr glaubt, dieses Thema sei zu unwichtig für ein Buch ...
... dann kennt ihr meine Prioritäten noch nicht.
Winnie out.
